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Das 2. Konzert für Horn (Hob. VIId:4) von Joseph Haydn

Joseph Haydn komponierte nachweislich mehrere Hornkonzerte, wovon zwei sind in seinem eigenen Entwurfskatalog vermerkt sind. Erhalten ist das Konzert D-Dur Hob. VIId:3, dessen Autograph wird heute in Wien in der Bibliothek der Gesellschaft der Musikfreunde verwahrt. An der Echtheit gibt es keinen Zweifel, obwohl es nicht von Haydn im genannten Entwurfskatalog aufgelistet wird. Allgemein bekannt ist es als Konzert Nr.1 D-Dur für Horn (Hob. VIId:3).

Ein weiteres Konzert ist das Konzert D-Dur (Hob. VIId.4). Die Autorenschaft von Joseph Haydn ist jedoch sehr zweifelhaft. Die Gesamtausgabe der Werke von Joseph Haydn, betreut vom Joseph-Haydn-Institut in Köln, nimmt dieses Konzert nicht auf und listet es unter „Apokryphe Bläserkonzerte“.

Die Quelllage dieses Konzertes ist relativ überschaubar. 1781 wird es im Katalog, Supplementband XIV, des Leipziger Verlages Breitkopf aufgelistet, wahrscheinlich nicht als Notendruck, sondern nur als Kopistenabschrift.

 

 

In der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) Dresden wird eine Abschrift aufbewahrt mit dem Titel

D # / Concerto / a 5 / Corno Secundo Principale,1 /Violino Primo, 2 e Secundo, 2 / Viola 1 e Basso. 2/ Del Signore Haÿden“

Die Nummern hinter der Stimmbezeichnung geben wahrscheinlich die ursprüngliche Anzahl der vorhandenen Stimmen wieder. Das Titelblatt befindet sich auf der Stimme des Basso. Zusätzlich wird am oberen rechten Rand „Spl XIV“ vermerkt. Die Abschrift hat demnach einen unmittelbaren Bezug zum Katalogeintrag bei Breitkopf. Die Abschrift stammt aus der Zittauer Sammlung Exner der Chr.-Weise-Bibliothek, die heute in der SLUB Dresden aufbewahrt wird.

Eine weitere Abschrift dieses Konzertes befindet in sich in Wien in der Bibliothek der Gesellschaft der Musikfreunde und enthält die Jahresangabe 1767. Sie ist eine Kopie der ersten Quelle, angefertigt in der Mitte des 19. Jh. und diente bisher den beiden Druckeditionen (1898 von E. Mandyczewski bei Breitkopf & Härtel und 1954 von H. H. Stevens bei Boosey & Hawkes) als Vorlage. Die eigentliche Zittauer Quelle wurde  noch nie als Vorlage für eine Edition genutzt.

Nicht jede vermeintliche Korrektur der Wiener Abschrift muss richtig sein. Vorschlagnoten , heute eine Selbstverständlichkeit, wurden damals ausnotiert und waren damit gar nicht mehr wahrnehmbar.  Auf eines wussten beide Editionen  keine Antwort und lösten es durch einen Sprung von mehreren Takten - das solistische Horn endet im Takt 140 und pausiert bis zum Ende. Die Orchesterbegleitung fordert jedoch ganz klar einige Takte später das Horn bis hin zu einem Kadenztakt.

Eine Erklärung wäre, dass die Vorlage für die Zittauer Kopie in der Hornstimme eine weitere Seite mit wenigen Zeilen vom Ende des 3. Satzes enthielt, die jedoch verloren ging oder beim Kopiervorgang übersehen wurde.

Die Zuweisung zu Haydn ist, wie erwähnt, problematisch. Stilistisch ist es wenig vergleichbar mit dem als Autor Haydn gesicherten Hornkonzert Nr. 1. Wie es in der Wiener Quelle zur notierten Jahreszahl 1767 kam ist unklar. Auf jeden Fall ist dieses Konzert weit vor der Nennung in Breitkopfs Katalog 1781 komponiert worden. Eine Zeile über dem Eintrag bei Breitkopf ist in annonciertes Konzert Es-Dur von Fischer vermerkt. Eine Kopie dieses Konzertes liegt in der Sammlung barocker Hornkonzerte im schwedischen Lund (Wenster Lit 1 – 17a), welche eindeutigen Bezug zum Dresdner Hof haben und zwischen 1720 – 1760 komponiert wurden. Könnte es sein, dass Breitkopf seine Vorlage aus der gleichen Quelle wie das Konzert von Fischer (heute wird es unter dem Namen von Quantz geführt) bezogen hat? Eine Komposition verkaufsfördernd Haydn (wobei noch nicht einmal gesagt ist welchem der beiden Haydn Brüder) zuzuordnen, war zu dieser Zeit (und auch heute) nicht unüblich. Da heute man zwar stärkste Zweifel an der Autorenschaft Haydns hat, man jedoch keinen anderen Autor beweisen kann und das Konzert unter seinem Namen eingeführt ist, wurde der Name von Haydn auch in der Neuedition nicht geändert.

Das Konzert wurde als ROM 373 in der Robert Ostermeyer Musikedition erstmals nach dem Urtext editiert.