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Fiala, Joseph

Wallersteiner Oboisten um 1790

Joseph Fiala kam am 2.3. 1748 in Lochowitz (Lochovice) in Böhmen, südwestlich von Prag als Sohn des Schullehrers  Andreas Fiala und seiner Frau Ludmilla zur Welt (Taufeintrag vom 3. März 1748). Seine Eltern (und damit auch er) waren Leibeigene der Gräfin Netolitzky von Netolitz. Er bekam eine musikalische Ausbildung zunächst beim Vater, später in Prag auf der Oboe von Jan Šťastný und auf dem Cello bei Franz Joseph Werner.  In der Zeitschrift "Die Unsichtbare" vom 28.4.1770 wird Fialas Name genannt in Zusammenhang mit der Aufführung des Singspiels "Tobis" von Joseph Myslivecek In Prag.

Die Gräfin Netolitzky war wohl keine gute Lehnsherrin. Sie behandelte Fiala als Sklaven, so dass er zweimal eine Flucht versuchte. Hiervon und etwas weiteres aus seinem Leben berichtet sein Sohn Franz Fiala im Supplementband von Schillings "Encyklopedie  der gesammten musikalischen Wissenschaften oder Universal-Lexicon der Tonkunst" 1842:

Mit der Strafandrohung des Einschlagens der Vorderzähne befand sich Fiala in guter Gesellschaft, auch Johann Wenzel Stich, der sich Giovanni Punto (1746 - 1803) nannte, hatte im Strafbefehl nach seiner Flucht diese Strafandrohung.

Am 20. 12. 1774 wird Fiala erstmals in Wallerstein, am Hofe des Fürsten Kraft Ernst zu Oettingen-Wallerstein genannt. Hofrat von Schaden weisst den Intendanten der Hofmusik von Beecke an, das die Geiger Janitsch und Hutti, der Cellist Joseph Reicha, sowie den beiden Oboisten Fürall und Fiala anstatt der Verköstigung am  Offiziantentisch ein Kostgeld von 100fl + 50fl. Weingeld ab 1775 zu zahlen ist. Der genaue Zeitpunkt der Ankunft von Fiala in Wallerstein ist unklar. Schon bald war Fiala ein geachteter Musiker. Er komponierte für die Hofmusik Sinfonien und Kammermusik. Auch Musiker anderer Höfe baten um seine Kompositionen. Beleg dafür ist ein Schreiben an Antonio Rosetti (1750 - 1792) vom Ansbacher Hofmusiker Johann Friedrich Kiesewetter (1732 - 1784), worin dieser doch um die versprochenen Concerti von "Herrn Viola" bitte. Sein Konzert für 2 Hörner Es-Dur ist wahrscheinlich auch in dieser Zeit für die Hornisten Türrschmidt und Nisle

Im Oktober 1776 bezichtigt die hochschwangere Maria Anna Rueff, Tochter des Wallersteiner Hofrats Franz Anton Rueff, Joseph Fiala, der Vater ihre Kindes zu sein. Es kommt zu Vernehmung und Fiala gibt  an:

es habe ,,wenig Zusprechens bedurft. [...] Da die Aufführung der Maria Anna Ruefinn und ihre Bekanntschaft mit vielen anderen marktkündig seye, so sehe er keine Verbindlichkeit zu einer Satisfaction ab. [...] Er bitte übrigens gnädigste Herrschaft, in Ansehung seiner Umständen um eine gnädige Strafe.

Beide werden zu einer Geldstrafe von 20fl verurteilt. Zwei Tage später, am 26.10.1776 findet die Taufe eines Sohnes Franz Xaver Joseph statt.  Fiala erkennt das Kind an. Im Taufeintrag wird er als "Josephus Viola, Musicus aulicus" genannt.

Taufeintrag Sohn 1776

 

Bis Frühjahr 1777 blieb Fiala in Wallerstein. Schon mit dem Tod der der jungen Gemahlin von Fürst Kraft Ernst am 9.3.1776 kamen die musikalischen Aktivitäten zum Erliegen. Fiala bemühte sich um neue Anstellung und wurde am 1.4.1777 in die Münchner Hofkapelle aufgenommen. Hofrat Rueff aus Wallerstein ist darüber empört und beschwert sich darüber bei Fürst Kraft Ernst. Fiala habe ein Eheversprechen abgegeben und nun seine Tochter und den Enkel ihm in Wallerstein überlassen. Er forderte eine Einhaltung seiner Verpflichtungen. Einen Monat später fragt der Intendant der Münchner Hofmusik Graf von Seeau beim Fürsten an, inwieweit die Angaben Fialas stimmen, das er aus den Diensten des Fürsten von Oettingen-Wallerstein gehen dürfe.

 Fürst Kraft Ernst ist mit dem Weggang Fialas einverstanden, ordnet jedoch an, die Privatsatisfaktionsklage zu klären und Fialas Schulden in Wallerstein zu ermitteln. Dazu werden auch Fialas Hinterlassenschaften ermittelt. Es findet sich in Fialas Zimmer in Wallerstein nicht viel, das Protokoll vermerkt:

,,Auf erhaltenen hochfürstlichen gnädigsten Special-Befehl hat sich nebenanstehender Herr Regierungs-Secretarius Widnmann mit Zuziehung Meiner heute Früh um 9.Uhr auf die hiesige Reitschule, und da in das Zimmer des aus hiesig-hochfürst Diensten getrettenen Musicus Joseph Fiala, begeben um dessen hinterbliebene Effeti in ein Verzeichniß zu bringen; Da aber in erstgedachtem Zimmer außer einen Futeral, worinn 2. Clarinetten von Rockobaur befindlich, dann einen leeren Futeral zu zweyen englischen Horn, einen kleinen Spiegel nebst Futeral, / l"'. Frissier-Kamm. / I"'. Laterne. / l"'. alten Haarpuderbeutel. / 8 verschiedenen Kupferstichen, / und zweyen Schuhbürsten, / nichts vorzufinden gewesen; so sind sämtliche diese Stücke auf den allda stehenden Tisch gestellt, das Zim(m)er versperret, und die Thüre mit dem hochfürstl. Regierungs-Signet obsigniret, somit gegenwärtiges Protocoll geschlossen worden. "

 Interessant an dieser Auflistung - Fiala hatte zwei Englischhörner und anscheinend zwei Klarinetten in Wallerstein in Benutzung! Der Fürst fordert als geliehene Instrumente " 2. Dalien, oder englische Horn. / 1. Hautbois aus Basel." zurück, die Fiala im September 1777 zurück sendet. Ebenso wird sich in der Alimentierungs-Sache geeinigt, Fiala zahlt 1/5 des Nachlasses aus Wallerstein = 79fl. Um seinen Sohn scheint sich Fiala nicht weiter gekümmert zu haben. Dieser lebte später in der Schweiz, war Schriftsteller, Arzt und Apotheker.

Im September 1777 kam es zur ersten Begegnung mit Wolfgang Amade Mozart, man war sich sympathisch, am 3. Oktober 1777 veranstaltete der Wirt vom Gasthof "Zum schwarzen Adler" zu seinem Namenstages  und zu Ehren Mozarts, der bei ihm logiert, eine Serenadenmusik mit 2 Klarinetten, 2 Hörner und Fagott.  Ausführende waren Münchner Stadtmusiker, die Stücke studierte Fiala ein, einige Kompositionen waren von ihm. Mozart berichtet dem Vater noch am Abend und  berichtet über die recht hübschen Stücke mit sehr guten Gedanken.

1778 heiratet Fiala in München die Tochter seines Orchesterkollegen, des  Hornisten Matthias Prohaska, Maria Josepha Prohaska (22.11.1749 in Krumau/ Böhmen - 26.10. 1824 in Karlsruhe). Zur Hochzeit am 1. 2. 1778 vermerkt das Kirchenbuch: "Joseph Fiala, kurfürstl. Hof- und Kammer-Virtuos-Oboist ", seine Braut  "Maria Josepha Prochaska " und deren Eltern  "Matthias Prochaska, kurfürstl. Hof und Krumm Waldhornist und Maria Justina, seine Ehefrau"; als Trauzeugen werden "Tobias Clemens Golthamer und Anton Caddenat, beide Hofmusiker" angegeben.

Nach dem Tod des Kurfürsten Maximilian II. fürchtete Fiala Schwierigkeiten mit dem neuen Kurfürsten Karl Theodor, der seine Musiker aus Mannheim mitbrachte. Fiala schaute sich nach einer neuen Anstellung um, Familie Mozart, besonders Leopold Mozart halfen. Dieser arrangierte ein Treffen mit dem Salzburger Erzbischof. Dieser war von Fiala angetan, zudem suchte er nach dem Weggang des Oboisten Guiseppe Ferlendis (1755 - 1802) dringend Ersatz. Zum 1.11. 1778 wird Fiala mit gleichem Gehalt in die Kapelle des Erzbischofs in Salzburg aufgenommen, sogar eine Pension im Falle des Todes von Fiala wird der Ehefrau gewährt. Fiala zieht in das Geburtshaus von Mozart in die Getreidegasse ein. Neben dem ersten Kind, das schon im August 1778 in München geboren wurde, jedoch schon nach einem Monat starb, wurden in Salzburg 3 weitere Kinder geboren. Nur Franz Joseph (1.7.1782 - 25.3.1858) überlebt das Kindesalter.

Fiala bekam in der Salzburger Zeit immer mehr gesundheitliche Probleme. Das Lexikon von Dlabacz berichtet, das Fiala sehr oft sich auf der Oboe hören lassen musste " 10 bis 12 Konzerte in einer Nacht" und dort habe er sich "das Blutbrechen zugezogen"

 Fiala muss auf ärztliches Anraten die Oboe beiseitelassen und verlegt sich auf das Spiel der Viola da gamba und des Violoncellos. Ab 1783 ist der Salzburger Erzbischof gezwungen, einen Ersatz an der 1. Oboe für Fiala einzustellen. Im August 1785 fordert der Erzbischof von Fiala eine schriftliche Erklärung, ob er weiter die Oboe blasen könne und mit welchem Gehalt "er sich zufrieden geben" könne. Fiala verneint dies, weist aber darauf hin, das seine Kompositionen und sein Spiel von Cello und Viola da gamba höchsten Beifall gefunden haben. Er bitte um seine Entlassung und betont, dass er in München dieselbe Besoldung erhalten habe, die ihm auch gewährt worden wäre, wenn er nicht mehr Oboe blasen könnte. Am 31.8.1785 verfügt Erzbischof Colloredo die Entlassung Fialas, betont seine doppelten Ausgaben die letzten zwei Jahre und sprach von "besonderer Gnade" das er Fiala 300 Gulden als Abfindung bekäme.

 Am 10.9. 1785 fuhr Fiala in Richtung Wien aus Salzburg ab. Er wird von Wolfgang Amade Mozart zunächst in seiner Wohnung in Wien aufgenommen.  Er führt Fiala auch in die Wiener Kreise ein; Streichquartette von Fiala erscheinen bei Artaria im Druck. Er lernt Graf Aleksandr Andreevic Bezborodko (1747 -1799), dem einflussreichen Kabinettssekretär der Kaiserin Katharina II., kennen. Bezborodko zeigte sich beeindruckt von Fialas Talent und vereinbart eine Reise nach St. Petersburg. Dort trat Fiala für ein Jahr in die Dienste des Fürsten Aleksej Grigor'evic Orlov-Cesmenskij (1737- 1808), der Fiala mit dem Aufbau eines Orchesters beauftragte. 1787 verließ Fiala, trotz Angebot in der Hofkapelle der Kaiserin zu spielen, Russland und zog wieder nach Wien, seine Frau wurde wohl nicht heimisch.  Es folgten einige Jahre der Kunstreisen die ihn nach Breslau, Berlin - dort bezeichnet ihn Johann Friedrich Reichardt als "besten noch lebenden Gambisten". In Prag trat er 1790 zusammen mit seinem Sohn Franz, welcher Violine spielte, auf. Neben Gambe und Cello spielte er hier wohl letztmalig Oboe. 1792 wurde er am Hof des Fürsten zu Fürstenberg in Donaueschingen "als Violoncellist mit dem Charakter als Kammermusikus" bei der Hofkapelle angestellt.
Joseph Fiala war bis zu seinem Tod am 31. Juli 1816 in Donaueschingen. Am 15. Juli 1793 wurde dort sein 7. und letztes Kind geboren, Maximilian Joseph Ludwig (gest. 18. März 1832), der später Hofmusiker in Karlsruhe wurde. Seit 1798 wirkte neben Joseph Fiala auch sein Sohn Franz in der Kapelle, der später als Bratschist in das badische Hoforchester in Karlsruhe wechselte.

Fiala und das Horn

Von Fiala ist als Abschrift ein Konzert für 2 Hörner in Es-Dur überliefert. Es ist im Archiv von Thurn und Taxis in Regensburg, gehört in der Entstehung mit Sicherheit nach Wallerstein zwischen 1774 - 1777. Der 1. Hornist Johann Türrschmidt muss ein sehr guter Musiker gewesen sein. Das zeigt sich auch in seinen Bläserparthias aus dieser Zeit, z.B. denen für 2 Taille (Englischhörner), 2 Hörner und Fagott. Hier gibt es immer wieder solistische Einwürfe, die über dem Niveau normaler Hofmusiker gelegen haben müssen.

Konzertprogramm 1786

Ein Konzertprogramm von Liebhaberkonzerten im Schloss Hohenaltheim bei Wallerstein aus dem Jahr 1786 führt ein Hornkonzert von Fiala auf. Ein Solist spielte der Hornist Hüwesch, gemeint ist sicher Johann Nepomuk Hiebesch(1766 - 1820), der schon vor 1789 in der Hofkapelle fest angestellt wurde. Leider ist dieses Konzert nicht genau zu ermitteln. Im Nationalmuseum in Prag wird ein Konzert-Abschrift eines Konzertes in Es-Dur mit dem Namen Fiala aufbewahrt. Mit Coprno primo principale als Soloinstrument bezeichnet enthält diese Abschrift jedoch noch eine Solostimme für Taille (Englischhorn). Den Grund muss man nicht lange suchen. Die Hornstimme in sehr hoher Clarinlage gesetzt, ähnlich dem Konzert von Neruda. Die Fassung für Englischhorn wurde schon einige Male auf CD eingespielt, die Fassung für Horn nur 1992 von Stanislav Suchanek. Fasst kein Hornist wird es ihm auf Grund der Höhe nachtun. Aber auch in der Komposition dieses Konzert ergeben sich Probleme, da der musikalische Stil so gar nicht zu Fialas Werken passen will und die Zuweisung fraglich ist.

Editionen von Fiala in der Robert Ostermeyer Musikedition:

 

 Quellen:

  • Dlabacz - Allgemeines historisches Künstler-Lexikon, Prag 1815
  • Schilling - Encyklopedie  der gesamten musikalischen Wissenschaften oder Universal-Lexicon der Tonkunst, Stuttgart 1842
  • Reinländer - Joseph Fiala, Thematisch-systematisches Werkverzeichnis, 2. Auflage mit Supplement 2009
  • Grünsteudel: ,,Les obois et les cors sont I'ame de I'orguestre ....,. Die Oboisten der Wallersteiner Hofkapelle; Rosetti-Forum Heft 10,2009
  • Staral: Vom Leibeigenen zum Kammermusiker. Der Komponist, Oboist, Gambist und Cellist Joseph Fiala, Rosetti-Forum Heft 9, 2008