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Wineberger, Paul

 „Als Componist war der Geschiedene unstreitig oft sehr geschickt …“

Zu Paul Winebergers Leben und Werk 1

von Günther Grünsteudel

 

„Am 8ten Februar des Jahres 1821 entschlief zu Hamburg Paul Wineberger. So Mancher erfreut sich, wenn er hinscheidet, in den Zeitungen und Flugschriften eines gellenden Posaunenlobes; jenes edlen Verklärten hat noch kein Zeitblatt Erwähnung gethan.“ Diese Worte stehen am Beginn des in der Dresdner Abendzeitung erschienenen Nachrufs auf Paul Wineberger, dessen Verfasser, der Hamburger Jurist und Schriftsteller Karl Trummer (1792-1858), von sich sagt, einer der „wärmsten Freunde und Verehrer“ des Verblichenen gewesen zu sein. Dieser Nekrolog stellt für Winebergers frühe Biographie bis zu seinem Eintritt in die Wallersteiner Hofkapelle und für die Hamburger Jahre des Komponisten trotz einiger Ungenauigkeiten eine doch insgesamt verlässliche und für so manches Detail sogar die einzige Quelle dar, da der Autor sowohl aus den Erinnerungen des Verstorbenen als auch aus eigenem Miterleben schöpfen konnte 2.

Wie bei anderen Wallersteiner Hofmusikern, so ist auch im Falle Wineberger die biographische Kenntnis bis heute ziemlich lückenhaft geblieben 3. Mit dem vorliegenden Beitrag möchte der Autor versuchen, einige dieser Lücken, insbesondere für die Wallersteiner Jahre des Komponisten, zu schließen, aber auch Trummers Angaben zu verifizieren und wenn möglich zu präzisieren. Darüber hinaus sollen einige Worte über den erhaltenen Werkbestand fallen, wobei in dem Zusammenhang Winebergers geistliches Hauptwerk, das Passionsoratorium Der Sieg des Lichts von 1794, im Mittelpunkt stehen wird.

1  Dieser Beitrag entstand ursprünglich als Einführungsvortrag zur Uraufführung von Winebergers Passionsoratorium Der Sieg des Lichts am 16. Mai 2004 in Bad Mergentheim durch den Bad Mergentheimer Kammerchor und das Würzburger Kammerorchester unter der Leitung von Wolfgang Kurz. Für die Drucklegung wurde er erweitert und mit Anmer- kungen versehen.

2  D.[r] [Karl] Trummer: Paul Wineberger. Eine biographische Skizze, in: Abendzeitung [Dresden] auf das Jahr 1822, S. 365-367, 369-371. Dass es sich bei dem Autor des mit „Trummer, D.“ gezeichneten Nachrufs um den Hamburger Juristen Karl Trummer handelt, entnehmen wir Georg Christoph Hamberger / Johann Georg Meusel: Das gelehrte Teutsch- land, Bd. 21. Lemgo 1827, S. 137; zu Trummers Biographie vgl. auch Hans Schröder: Lexikon der Hamburgischen Schriftsteller, Bd. 7. Hamburg 1879, S. 425-431; Allgemeine deutsche Biographie (ADB), Bd. 38. Leipzig 1894, S. 686.

3 Die bisherige Literatur in chronologischer Folge: Ernst Ludwig Gerber: Neues historisch- biographisches Lexikon der Tonkünstler, 4. Tl. Leipzig 1813/14, Sp. 587; Gustav Schilling (Red.): Encyclopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften oder Universal-Lexicon der Tonkunst, Bd. 6. Stuttgart 1838, S. 872 f.; François-Joseph Fétis: Biographie universelle des musiciens et bibliographie générale de la musique. 2me éd., Bd. 8. Paris 1875, S. 478; Hermann Mendel / August Reißmann (Hrsg.): Musikalisches Conversations-Lexikon, Bd. 11. Berlin 1879, S. 377 f.; Robert Eitner: Biographisch-bibliographisches Quellenlexikon der Musiker und Musikgelehrten, Bd. 10. Leipzig 1904, S. 272; Ludwig Schiedermair: Die Blütezeit der Öttingen-Wallerstein‘schen Hofkapelle, in: Sammelbände der Internationalen Musikgesellschaft 9 (1907/08), S. 98; Wilibald Gurlitt et al. (Hrsg.): Riemann-Musik-Lexikon. 12. Aufl. Personenteil L-Z. Mainz 1961, S. 932; Robert A. Titus: The Solo Music for the Clarinet in the 18th Century. Diss. Univ. of Iowa 1962, S. 391-394, 456-459; Kurt Stephenson: Art. „Winneberger, Paul Anton“, in: Friedrich Blume (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG), Bd. 14. Kassel 1968, Sp. 712 f.; Jon R. Piersol: The Oettingen-Wallerstein Hofkapelle and its Wind Music. Diss. Univ. of Iowa 1972, bes. S. 485-500; Roger Hellyer: Art. „Wineberger, Paul Anton“, in: Stanley Sadie (Hrsg.): The New Grove Dictionary of Music and Musicians, Bd. 20. London 1980, S. 452 f.; Fiona Little: The String Quartet at the Oettingen-Wallerstein Court: Ignaz von Beecke and his Contemporaries. New York 1989, S. 56 f., 84-88, 92, 244-258; Günther Grünsteudel: Wallerstein – das „Schwäbische Mann- heim“. Text- und Bilddokumente zur Geschichte der Wallersteiner Hofkapelle (1747-1825). Nördlingen 2000, bes. S. 59-61; Sterling E. Murray: Art. „Wineberger, Paul Anton“, in: Stanley Sadie (Hrsg.): The New Grove Dictionary of Music and Musicians. 2. ed., Bd. 27. London 2001, S. 435 f.; Günther Grünsteudel: Art. „Wineberger, Paul (Anton)“, in: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. 2. neubearb. Ausg. (2MGG), Personenteil, Bd. 17. Kassel 2007 [im Druck].

 


 

I.

Paul Anton Wineberger 4 wurde am 7. Oktober 1758 in Mergentheim, seit dem 16. Jahrhundert Residenz des Hoch- und Deutschmeisters des Deutschen Ordens (heute Main-Tauber- Kreis, Baden-Württemberg), geboren 5. Der Vater, Johann Michael Wineberger (* 26. Januar 1704 6, † 9. Juni 1772 7), stammte aus Wertach im Allgäu und war der Sohn eines Bäckers 8, die Mutter, Maria Magdalena (* 5. August 1721 9, † 27. April 1800 10), die Tochter des Mergentheimer Mesners und Hofmusikers Wolfgang Heller 11. Ein gutes halbes Jahr nach der Eheschließung am 10. Mai 1740 12 erhielt Vater Wineberger das Bürgerrecht 13. In seinem Beruf als Stuckateur scheint er es zu gewissem Wohlstand gebracht zu haben 14. 1753 nannte er ein Haus in der Frommengasse nahe dem Schloss sein Eigen, dazu zwei Gärten, zwei Äcker und fünf Weinberge 15.

Von den fünf Kindern des Ehepaars Wineberger 16 zeigte wohl Paul Anton am meisten Talent für die Musik. Früh schon wurde er hierin von Magister Bernhard Heilig, der Lehrer an der Mergentheimer Lateinschule war und selbst mehrere Instrumente spielte, gefördert 17. Seit seinem neunten Lebensjahr war Wineberger Altist in der Kapelle des Hoch- und Deutschmeisters Karl Alexander von Lothringen (1712-1780, reg. seit 1761), mit vierzehn half er bereits in der Dominikanerkirche St. Marien an der Orgel aus, „von deren Organisten er das Klavierspiel lernte.“18 Die offizielle Bestallung als Hofaltist erfolgte erst am 15. Juni

1772: „Nachdem beÿ hochfürstl. Regierung beliebt worden ist, die erledigte Altisten-Stelle dem Studenten Winneberger auf 2. Jahr lang zu übertragen, als wird solches ihme Winneberger zur Consolation, der hochfürstl. Trapponeÿ aber mit dem Befehl bekandt gemacht, die gewöhnliche Bestallung mit 4. Malter Korn, und 4. Eÿmer Wein von dem Tag der erledigten Stelle ihme Winneberger gegen quittung verabfolgen zu lassen, und sich hierdurch zu legitimiren.“ 19

Vermutlich ab 1775 studierte er an den von ehemaligen Jesuiten geführten Priesterseminaren in Würzburg und später Heidelberg und konnte hier auch seine musikalische Ausbildung vertiefen 20. Anfang 1778 empfahl Magister Heilig den „zwanzigjährigen Jüngling“ nach Mannheim, wo er an dem seit 1756 bestehenden und seither von dem Jesuitenpater Alexander Keck (1724-1804) geleiteten Seminarium musicum „Lehrer der zweiten und dritten Klasse“ sowie Organist an der „großen Hofkirche“, der früheren Jesuitenkirche, wurde 21.

Am 30. Dezember 1777 war Kurfürst Maximilian III. Joseph von Bayern kinderlos gestorben und mit ihm die bayerische Linie der Wittelsbacher erloschen. Aufgrund der Hausverträge war Bayern an Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz (1724-1799) gefallen, worauf dieser seine Residenz nach München verlegen musste. Im Spätsommer 1778 übersiedelte der Mannheimer Hof in die bayerische Hauptstadt und mit ihm große Teile der Hofkapelle. Unter den in Mannheim verbliebenen Musikern waren der 67-jährige Kapellmeister Ignaz Holzbauer 22 (1711-1783) und der Vizekapellmeister Georg Joseph („Abbé“) Vogler 23 (1749-1814), die beide Wineberger Unterricht in Tonsatz erteilten. Zu dem Kreis derer, die den jungen Musiker maßgeblich beeinflusst haben, gehörten außerdem der ihm väterlich-freundschaftlich verbundene Geiger Georg Zarth 24 (1708-1780) und der Konzertmeister des Mannheimer Orchesters Ignaz Fränzl 25 (1736-1811), bei denen er Violinunterricht erhielt. Fränzl war es auch, der Wineberger riet, zum Violoncello überzuwechseln, da nach dem ‚Exodus’ so vieler Kapellmitglieder im verbliebenen Mannheimer Orchester ein Mangel an Cellisten herrschte. Rasch scheint er gute Fortschritte auf diesem Instrument gemacht zu haben, denn als der erste Cellist des Orchesters, Franz Danzi 26 (1763-1826), „auf Reisen gegangen“ war, nutzte Fränzl „die Gelegenheit, um unsern Wineberger als Accessisten 27 anzunehmen, als welcher er bereits unter des später nach Hamburg versetzten Hönicke’s 28 Direction bei der Oper Rosamunde 29  im Orchester die Violoncellparthie versah.“ 30

Wineberger verbrachte etwa zweieinhalb Jahre in Mannheim 31, ehe er im Nördlinger Ries in die Hofkapelle des Fürsten Kraft Ernst zu Oettingen-Wallerstein (1748-1802) eintrat: „So sehr nun auch seinen musikalischen Fortschritten und Bekanntschaften der Aufent- halt in Manheim förderlich war, so strebte der junge, lebhafte Geist doch weiter, und ergriff die nächste Gelegenheit, um seine Kräfte in einem neuen Wirkungskreise zu versuchen. In einer der regelmäßigen Vacanzen machte er eine Lust- und Kunstreise nach seinem Geburtsorte Mergentheim. Hier traf er den Hofgeigenmacher Tiefenbrunner von Wallerstein 32, und vernahm von ihm, daß in der dortigen angesehenen Kapelle ein Violoncell fehle, und für ihn anzukommen sey. Wineberger ließ sich leicht von ihm über- reden, ging mit ihm nach Wallerstein und wurde unverzüglich als Violoncellist für die Hofmusik des kunstliebenden Fürsten angenommen. So geschah es nach einem dritte- halbjährigen 33 Aufenthalt in Manheim, daß er im Herbst 1780 sich zu Wallerstein niederließ.“ 34

 

4 In einer Reihe von Veröffentlichungen (vgl. Anm. 3) findet sich auch die Schreibweise „Winneberger“, die der Komponist selbst, soweit dem Autor bekannt ist, nie benutzt hat, die wohl aber in ihn und seine Familie betreffenden Aktenstücken zu finden ist. Die eigen- händig unterzeichneten Schriftstücke, die autographen Partituren und Stimmen und selbst die Abschriften und gedruckten Noten weisen abgesehen von wenigen Ausnahmen bei Letzteren durchgängig die Schreibweise mit nur einem ‚n’ auf.

5  Diözesanarchiv Rottenburg (DAR), Mergentheim, Pfarrei St. Johannes, B6, S. 204. – Geburts- und Taufdatum sind im 18. Jahrhundert meist identisch.

6 Zu entnehmen dem Heiratseintrag mit Maria Magdelena Heller am 10.5.1740 im Kirchen- buch der Pfarrei St. Johannes in Mergentheim (DAR, B6, S. 31).

7 DAR, Mergentheim, Pfarrei St. Johannes, B6, S. 237.

8 Wie Anm. 6.

9 DAR, Mergentheim, Pfarrei St. Johannes, B4.

10 DAR, Mergentheim, Pfarrei St. Johannes, B12.

11 Wie Anm. 6. Dass Heller Mesner in der Hofkirche war, entnehmen wir u. a. dem Taufeintrag seiner Tochter (wie Anm. 9: „famulus Sacelli aulici“), dass er auch als Hofmusiker Verwendung fand, dem Verzeichnis Mergentheimer Hofmusiker für 1671-1774: „Wolfgang Heller Hofmusicus 1736.“; Stadtarchiv Bad Mergentheim (StadtABM), Rep 577 aus Bestand: StAL B 236 Bü 111. – Mein besonderer Dank gilt Frau Rosemarie Volz, Bad Mergentheim, die mir freundlicherweise die von ihr eruierten und die Familie Wineberger betreffenden Quellen im StadtABM zugänglich machte.

12 Wie Anm. 6.

13 StadtABM, Rep 227e, Exzerpte aus verschiedenen Mergentheimer Quellen zu Johann Michael Wineberger, vermutlich von Hauptmann a. D. Schmitt (um 1900).

14 Johann Michael Wineberger war nicht nur in Mergentheim tätig (u. a. bei der Ausgestal- tung des dortigen Residenzschlosses), sondern auch für auswärtige Auftraggeber: 1756 etwa stuckierte er die Pfarrkirche St. Martin im nahe gelegenen Königheim (freundlicher Hinweis von Frau R. Volz), 1766 die Stadtkirche von Aalen (vgl. Ulrich Thieme et al. [Hrsg.]: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler, Bd. 36. Leipzig 1947, S. 70).

15 StadtABM, Nahrungsbuch 1753, 4. Stadtviertel, „Schazungs Anlage Johan(n) Michaël Winneberger“. Nach dem Tod ihres Mannes und nachdem ihre Kinder aus dem Haus waren, nahm Paul Winebergers Mutter die Witwe Anna Keller mit ihrer Familie bei sich auf (StadtABM, J 24 Kirchensachen, „Catalogus Parochianor. Mergenth. Pro 1780“, Nr. 32). 1782 verkaufte sie das Haus für 700 fl.; im Kaufvertrag vom 17. Januar wird ein Johann Fischer als Käufer genannt (StadtABM, E 9 Kaufverträge).

16  In dem Verzeichnis der Pfarreimitglieder von 1780 (wie Anm. 15) werden aufgelistet: „Theresia † / Paulus Antoni. Manhemii / Franz. Manhemii / Philip. Joseph. Miles [ein Wort nicht lesbar] Viennae [der Zusatz ab „Miles“ wurde später gestrichen] / Catharin. Elisabeth. peregr.[ina]“.

17 Trummer (wie Anm. 2), S. 365. Heilig hatte am Heidelberger Jesuitenkolleg studiert und dort auch eine fundierte musikalische Ausbildung erhalten. Danach war er zunächst Rektor in Grünsfeld gewesen, ehe er 1752 an die Lateinschule des nahen Mergentheim kam, wo er bis 1777 wirkte; vgl. Dr. Schermann: Geschichte des lateinischen Schulwesens der Deutschordensstadt Mergentheim (1555-1809), in: Geschichte des humanistischen Schulwesens in Württemberg, Bd. 2/2. Stuttgart 1920, S. 1078 f. (freundlicher Hinweis von Frau R. Volz).

18  Trummer (wie Anm. 2, S. 366) berichtet auch, dass er „mit seinem neunten Jahr […] bereits als Hofaltist zu Mergentheim mit einem Gehalt von einhundert Thalern, vier Maltern Korn und zwei Eimern Wein angestellt“ wurde, was sicher so nicht zutreffend ist; sehr wahrscheinlich wurde er zunächst als (unentgeltlicher) Chorknabe in die Kapelle aufgenommen.

19  Beilagen zu den Rechnungen des Deutschen Ordens; Staatsarchiv Ludwigsburg, Be- stand B 231 Bd 3378. Nachzuweisen ist Wineberger anhand der Ausgaben für Wein in den Rechnungen von 1772 bis Mitte 1777 (B 231 Bd 3100).

20 Trummer (wie Anm. 2), S. 366: „Nachdem er, siebzehn Jahr alt, seine Tenorstimme [sic] verloren hatte, widmete er sich den theologischen Studien, und besuchte zu dem Ende Würzburg und Heidelberg.“ Belegen lässt sich dies jedoch nicht. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens im Jahr 1773 blieben die Kollegien meist unangetastet; die Patres wurden zu Weltgeistlichen gemacht und behielten in aller Regel ihre früheren Funktionen. Bei Mendel-Reißmann (wie Anm. 3, S. 377) findet sich erstmals die später kolportierte Behauptung, Wineberger habe in beiden Städten die Universitäten besucht. In den ge- druckten Universitätsmatrikeln taucht jedoch sein Name nicht auf, wohl aber in Heidelberg unter dem 12.12.1768 der seines älteren Bruders Philipp Joseph als „theologiae candi- datus“; vgl.: Gustav Toepke: Die Matrikel der Universität Heidelberg, 4. Theil. Heidelberg 1903, S. 246.

21 Trummer (wie Anm. 2), S. 366. Der berühmteste Zögling des Seminarium war zweifellos der in Miltenberg/Odenwald geborene Komponist Joseph Martin Kraus (1756-1792). Zur Geschichte der Schule vgl. Rüdiger Thomsen-Fürst: Zarte Stimmen zu dem Lob Gottes. Das Seminarium musicum in Mannheim (1756-1801), in: Festschrift 125 Jahre Chor der Jesuitenkirche Mannheim. Mannheim 2003, S. 13-29.

22 Vgl. Bärbel Pelker: Art. „Holzbauer, Ignaz“, in: 2MGG, Personenteil, Bd. 9. Kassel 2003, Sp. 265-275.

23 Vgl. Walter Reckziegel: Art. „Vogler, Georg Joseph“, in: MGG, Bd. 13. Kassel 1966, Sp. 1894-1905.

24 Vgl. Walter Lebermann: Art. „Zarth, Georg“, in: MGG, Bd. 14. Kassel 1968, Sp. 1022 f.

25 Vgl. Bärbel Pelker: Art. „Fränzl, Ignaz“, in: 2MGG, Personenteil, Bd. 7. Kassel 2002, Sp. 37-39.

26 Vgl. Volkmar von Pechstaedt / Manuela Jahrmärker: Art. „Danzi, Franz“, in: 2MGG, Personenteil, Bd. 5. Kassel 2001, Sp. 401-411.

27 D. h. Stellenanwärter.

28 Johann Friedrich Hönicke (1755-1809) übernahm im März 1781 die Leitung des Orchesters an der Hamburger Oper; vgl. Josef Sittard: Geschichte des Musik- und Concertwesens in Hamburg. Altona 1890, S. 149.

29 Die Oper Rosamunde von Anton Schweitzer (1735-1787) erlebte am 20.1.1780 in Mannheim ihre Uraufführung; vgl. Franz Stieger: Opernlexikon, Titelkatalog, Bd. 3. Tutzing 1975, S. 1048.

30 Trummer (wie Anm. 2), S. 366.

31 Leider gibt es für diese Zeit keinerlei archivarische Belege.

32  Der aus Mittenwald stammende Johann Caspar Tiefenbrunner ist zwischen 1750 und 1787 nachweisbar und war außer für den Wallersteiner Hof auch am kurkölnischen Hof in Bonn und am kurtrierischen Hof tätig; vgl. Gustav Bereths: Die Musikpflege am kurtrieri- schen Hofe zu Koblenz-Ehrenbreitstein. Mainz 1964, S. 167 f. (Beiträge zur mittelrheinischen Musikgeschichte, Bd. 5); Grünsteudel (wie Anm. 3; 2000), S. 57 f.

33 ‚drittehalb’ = zwei und ein halbes; vgl. Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Bd. 2. Leipzig 1860, Sp. 1423.

34 Trummer (wie Anm. 2), S. 366.


II.

Winebergers Aufnahme in die Wallersteiner Hofkapelle erfolgte just zu dem Zeitpunkt, als Fürst Kraft Ernst nach mehrjähriger Abstinenz sich wieder intensiv seiner Hofmusik zuwandte und die verwaisten Pulte neu besetzen ließ, nachdem die Kapelle nach dem Tod seiner jungen Gemahlin Marie Therese von Thurn und Taxis (1757-1776) geraume Zeit suspendiert war 35. Die Kapelle hatte schon kurz nach Kraft Ernsts Regierungsantritt im Jahr 1773 aufgrund der Qualität ihres Musizierens von sich reden gemacht und gehörte insbesondere während der 1780er und 1790er Jahre zu den führenden Orchestern in Süd- deutschland. Wineberger trat als zweiter Cellist in die Kapelle ein. Sein Kollege am ersten Pult war Josef Reicha 36, der das Orchester damals auch leitete. Die ersten Kompositionen, ein Konzert für zwei Hörner, vollendet im Januar 1782, und eine zwölfsätzige Harmoniemusik für zwei Klarinetten, zwei Hörner und Fagott, aus dem gleichen Jahr, ließen nicht lange auf sich warten 37.

Ende 1783 erreichten ihn folgende Zeilen des befreundeten Franz Anton Pfeiffer 38 (1752-1787), der im gleichen Jahr als erster Fagottist in die Ludwigsluster Hofmusik des Herzogs von Mecklenburg-Schwerin aufgenommen worden war 39: „Hier sucht man einen guten Violoncellisten, könnten Sie sich Urlaub erbitten, und die Reiß hieher machen, so glaub ich, daß Sie, wenn Sie gefallen, gewis engageme[n]t bekom[m]en, sie wollen einen haben, der gut accompagnirt, und zugleich Solo spiehlt; […] Es sind zwar schon 2 Viol.[oncellisten] hier, daugen aber nichts.“ Pfeiffer, der aus einem kleinen Dorf nahe Mergentheim stammte, wie Wineberger die Mergentheimer Lateinschule besucht und dort seinen musikalischen Erstunterricht ebenfalls bei Magister Heilig erhalten hatte, schildert den Mecklenburger Hof als ein veritables Musiker-Paradies. Obwohl er erst seit einem halben Jahr dort in Diensten stand, erhielt er bereits das stattliche Jahresgehalt von 800 Rheinischen Gulden. „Meine Herrschaft“, schwärmte er dem Freund gegenüber, „ist so gnädig, die man sich nicht beßer wünschen kann, habe zum present 16 L[o]u[is] d’ors bekommen.“ 40  Wie Wineberger auf Pfeiffers Vorschlag reagierte, wissen wir nicht. Fest steht, dass er in Wallerstein blieb, wo er anfangs mit einem Hungerlohn von gerade einmal 144 Gulden im Jahr abgespeist wurde.

Antonio Rosetti, dem der Fürst nach Reichas Weggang als Musikdirektor der Bonner Hofkapelle des Erzbischofs von Köln im April 1785 die musikalische Leitung des Wallersteiner Orchesters übertrug, war sich dessen bewusst, dass Wineberger, der von Reicha den Posten des ersten Cellisten übernahm, viel zu schlecht bezahlt war und forderte eine Anhebung auf wenigstens 300 Gulden 41. Auch Wineberger selbst wandte sich mehrfach an den Fürsten: „Schon lange bin ich arm, und noch ärmer wäre ich geweßen, wenn mich nicht gute Freunde 42 unterstützet und das von Euer Durchl. mir gethane Versprechen einigermaßen genähret hätten, nun vernahm ich, daß die allerhöchste Willensmeinung seye, das mir gnädigst zugedachte Gehalt quartaliter abfolgen zu lassen, für wahr eine große Gnade, ist es aber wohl möglig noch vier Monathe hindurch mit neun Gulden leben zu können, meine Kleider und Wasch seyn in äußersten Abgang gekommen, die schon verflossene Monaths Kost kann ich nicht mehr zahlen, zuzusezen habe ich nichts mehr, wo werde ich Nahrung, wo Kleider hernehmen? Um neuen Credit kann ich schon gar nicht ansuchen, da von meinen älteren Schulden noch nichts bezahlet ist, und deswegen ich die Nachtruhe nicht habe.“ 43

Am 10. November 1786 wurde der von Rosetti geforderten Anhebung auf 300 Gulden endlich entsprochen 44. Wineberger dankte dem Fürsten und stellte ihm seine privaten Pläne vor 45: „Durch die mir gnädigst gegebene Zulage sezten Euer Hochf. Durchlaucht mich instand, meine Schulden nach und nach tilgen und etwas gemächlicher leben zu können. Dieses nun desto ehender zu erreichen, und allen ferner folgenden Uebeln auszuweichen entschloss ich mich die Josepha Böhnlin /: welche auch in Höchsten Diensten zu seyn die Gnade hat :/ zu heurathen, dieses aber unternehmen zu dürfen ist mein unterthänigstes Bitten.“ Die Trauung mit der etwa 18 Jahre älteren Korbmachers- tochter Josepha Böhnle (* 1740, † 1. Januar 1790 in Wallerstein 46) fand am 9. Januar 1787 in der Wallersteiner Pfarrkirche St. Alban statt 47. Am 4. Januar hatte der Bräutigam Fürst Kraft Ernst über die geplante Hochzeitsfeier unterrichtet 48: „Nachdeme nächstkünftigen Diens- tag als den 9. dieß, das zwischen mir und der Josepha Böhnlin vorgegangene Ehe- versprechen durch priesterliche Einsegnung bestätiget und darauf das Hochzeitsmahl in dem hiesigen Gasthause zum schwarzen Adler eingenommen wird; als nehme ich die Freiheyt, Eure Hochfürstl. Durchlaucht auf solchenen Ehrentag mit der unterthänigsten Bitte einzuladen, daß Höchstdieselben zu Verherrlichung meiner Hochzeit-Feyer einen Gast in Höchstdero Namen abzuordnen gnädigst geruhen wollen.“

In der zweiten Hälfte der 1780er Jahre übernahm Wineberger zusätzliche Aufgaben in der Hofmusik. 1788 firmiert er in der „Musikalischen Real-Zeitung“ nicht nur als „Erster Konzertmeister“, sondern auch als „Direktor und Kompositeur der Fürstl. Jagd und Tafelmusik“ 49. Letztere Position schlug sich in seinem Schaffen in einer erklecklichen Anzahl von Bläserpartiten nieder: Aus dem Zeitraum zwischen 1782 und 1794 haben sich in der ehemaligen Hofbibliothek nicht weniger als 22 datierte oder datierbare Harmoniemusiken erhalten 50. Dieses Musikgenre lag Fürst Kraft Ernst bekanntermaßen besonders am Herzen, und so zählte der Wallersteiner Hof in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts zu den wichtigsten Pflegestätten der Harmoniemusik in Süddeutschland.

Neben seinem Dienst in der Hofkapelle widmete sich Wineberger auch gerne der Kammermusik. Aufgrund der Tatsache, dass er mindestens drei Instrumente – Violine, Violoncello und Klavier – beherrschte, dürfte er ein begehrter Partner gewesen sein. Zu dem Kammermusikkreis um den ebenfalls Cello spielenden jüngeren Bruder des Fürsten, Graf Franz Ludwig (* 1749), gehörte neben Wineberger auch der Geiger Georg Feldmayr 51 (1756-1834), der im gleichen Jahr wie Wineberger an den Wallersteiner Hof gekommen war 52. Graf Franz Ludwig hatte ursprünglich die Militärlaufbahn eingeschlagen, musste aber bereits 1775 aufgrund der Folgen einer Pockeninfektion, die er sich in der Slowakei zugezogen hatte und an der er beinahe gestorben wäre, als Rittmeister den Dienst quittieren. Die ihm verbleibenden anderthalb Jahrzehnte seines kurzen Lebens verbrachte er in Wallerstein, wo er am 7. September 1791 starb 53.

Mitte Dezember 1790 kam Joseph Haydn auf seiner ersten London-Reise zusammen mit dem Impresario Johann Peter Salomon 54 (1745-1815) für einige Tage nach Wallerstein 55. Fürst Kraft Ernst, der Haydns Musik zutiefst bewunderte und seit 1781 mit ihm auch in Briefkontakt stand, hatte den verehrten Meister zu diesem Besuch eingeladen. In einem zu Ehren des berühmten Gastes gegebenen Hofkonzert scheint zumindest eine der drei Sinfonien auf dem Programm gestanden zu haben, die dieser im Jahr zuvor im Auftrag des Fürsten komponiert hatte 56. Wineberger zufolge, der als Konzertmeister der Kapelle Haydn damals aus nächster Nähe erleben konnte, soll der berühmte Gast dem Wallersteiner Orchester attestiert haben, es „spiele prima vista seine Symphonien fester und präciser, als seine eigene Kapelle nach mehrfachen Proben.“57

Seit seiner Jugend litt Wineberger an einer Behinderung – Trummer spricht von einem „Beinschaden, den er […] durch einen unglücklichen Fall und nöthiggewordene Operation sich zugezogen hatte“ 58. Da die Beschwerden sich stetig verschlimmerten, wurde es schließlich unumgänglich, das betreffende Bein zu amputieren. Anfang 1791 fuhr Wineberger nach Würzburg, um sich dort einer Operation zu unterziehen, die offenbar von Graf Franz Ludwig und dem fürstlichen Haus finanziert wurde. Gepflegt wurde er im Haus des ersten Klarinettisten der Würzburger Hofkapelle Philipp Meißner 59 (1748-1816), zu dem der Wallersteiner Hof gute Beziehungen unterhielt 60. Am 6. März schrieb Meißner an Graf Franz Ludwig in Wallerstein 61: [...] ich sowohl als mein Schwester und Schwager gehen ihm nicht von der Seiten, wir behandlen ihm die Brüche und Siebold 62 wie ein Vatter, ein Lamm, wo zu der Schlachtbank geführt wird, ist zwar gedultig, aber unser Freund nach allen ausgestandenen großen Schmerzen noch gedultiger, er lässt sich Eüer Excellenz ganz unterthänigst empfehlen, schickt den wärmsten Dank für alle hohe Gnade entgegen, und seinen großmüthigsten gnädigsten Fürsten, der als vatter für seine untergebene sorgt, legt er sich höchst zu dero Füßen, und jener weld berühmte gnädigste Fürstin 63, die als eine sorgfältige Mutter vom ganzen Land angebettet wird, küsst er den rock und seinem gnädig. großmüthigen Gutthäter die Hand für alle hohe Gnaden, die Hoch derselbe ihm angedeyen lassen [...] Gnädigster Herr Graf, wir lassen ihm nichts fehlen, und Siebold kombt täglig 4 mahl, und ist bey alle Verbänd, damit nur alles rüchtig besorgt wird, und kein Fehler vorgehen kann, er ist aber auch recht wohl mit ihm zu frieden weilen er alles befolgt, was Siebolten ordinirt. [...] Das bein von sein Fuß ware so angefressen, das man es mit dem Finger hat zerreiben können und ist wie Staub worden. Es geht alle dag besser mit ihm, freylig hat er noch etwas Wund fieber nicht aber so starck mehr, und seine Krämpf sind alle weg, sein Stumben aütert recht, wie es Siebold verlangt, er hat aber sein Schlaf schon ordentlich, bekombt sein gärsten Schleim schon, auch einen gedämpften Apfel zu essen, in übrigen wird Gott weiter sorgen und unsere Sorgfalt soll niemals fehlen. […].

Und am 18. März sandte Meißner an den Wallersteiner Hofmusikintendanten Ignaz von Beecke (1733-1803) folgende Zeilen 64: „Er befindet sich alle Tag tapfer nebst seiner strengen Diät, die er befolgen muss […] sein großer Schmerz ist dermahlen das Liegen, weilen er immer auf dem Rücken liegen muß. Er empfiehlt sich seinem gnädigsten Fürsten und gnädigster Fürstin, wie auch seinem gnäd. Wohltätigsten H: Grafen Franz Louj, wenn er manig mahl so liegt, fängt der öfters zu weinen an, wenn ich ihn frag, warum weinst du Bruder, ach! ruft er aus, über die Höchste Gnad meines großmüthigen gnädigsten Fürsten, die Höchstderselbe mir willfahren lässt – Er redet immer mit mir von Wallerstein, was wird jetzt H: Graf Franz Loÿ machen, was wird H: Hauptmann v. Beekè mein sorgfältigster Freund machen, jezt werden sie heut quartetten machen, jetzt heut ist prob, jezt mögte ich doch droben seyn und so immer.“

Winebergers Genesung scheint rasch gute Fortschritte gemacht zu haben, denn schon im Oktober 1791 finden wir ihn im heimatlichen Mergentheim, wo zur gleichen Zeit der Kölner Erzbischof Maximilian Franz von Österreich (1756-1801), seit 1780 in Personalunion Hoch- und Deutschmeister, Hof hielt. Seine Bonner Hofkapelle hatte er mit in die Deutschordens-Residenz gebracht. Womöglich hatte Wineberger gehofft, dort den ehemaligen Kollegen und Freund Josef Reicha zu treffen; der aber litt zu der Zeit bereits so stark an Gicht, dass er seinen Pflichten als Musikdirektor nicht mehr nachkommen konnte 65 und in dieser Funktion durch den ersten Geiger Franz Ries 66 (1755-1846) ersetzt worden war. Der Musikschriftsteller Carl Ludwig Junker 67 (1748-1797) war ebenfalls zugegen und schrieb über die Auftritte der Bonner Kapelle am 11. und 12. Oktober einen Bericht für die „Musikalische Korrespondenz“ 68: „Den anderen Morgen [12. Oktober] war um 10 Uhr Probe auf das feierliche Hofkonzert, das gegen 6 Uhr Abends seinen Anfang nahm [...] Hr. Winneberger von Wallerstein legte in dieser Probe eine von ihm gesezte Sinfonie auf, die gewiß nicht leicht war, weil besonders die Blasinstrumente einige konzertirende Solos hatten. Aber sie gieng gleich das erstemal vortreflich, zur Verwunderung des Komponisten. Eine Stunde nach der Tafelmusik gieng das Hofkonzert an. Die Eröffnung geschah durch eine Sinfonie von Mozart, hierauf kam eine Arie mit einem Rezitativ, die Simonetti 69 sang; denn ein Violonzellkonzert, gespielt von Hrn. Romberger 70. Nun folgte eine Sinfonie vom Pleyel 71, Aria von Simonetti gesungen, von Reghini 72 gesezt. Ein Doppelkonzert für eine Violin und ein Violonzell, von den beiden Hrn. Romberger 73  rgetragen. Den Beschluß machte die Sinfonie von Hr. Winneberger, die sehr viel brilliante Stellen hatte. [...] die Aufführung konnte durchaus nicht pünktlicher seyn, als sie war. Eine solch genaue Beobachtung des Piano, des Forte, des Rinforzando, eine solche Schwellung, und allmählige Anwachsung des Tons, und dann wieder ein Sinkenlassen desselben, von der höchsten Stärke bis zum leisesten Laut, - - dies hörte man ehemals nur in Mann- heim. [...] Selbst Hr. Winneberger war vollkommen dieser Meinung, wenn er diese Musik mit der gleichfalls sehr guten Musik in Wallerstein verglich.“

35 Vgl. hierzu detaillierter Günther Grünsteudel: Die Hornisten der Wallersteiner Hofkapelle (ca. 1745 - 1825), in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben 97 (2004), S. 238 f., 240 f.

36 Vgl. Claus Reinländer: Art. „Reicha, Josef“, in: 2MGG, Personenteil, Bd. 13. Kassel 2005, Sp. 1452 f.; Günther Grünsteudel: Die Mitglieder der Wallersteiner Hofkapelle in Kurzporträts: 3. Josef Reicha, in: Rosetti-Forum 3 (2002), S. 73-76.

37 Es sind die frühesten erhaltenen Werke Winebergers überhaupt. Universitätsbibliothek Augsburg, 02/III 4 ½ 4° 91 und 02/III 4 ½ 4° 280. Die ehemalige fürstliche Hofbibliothek ist heute Bestandteil der Universitätsbibliothek Augsburg.

38 Vgl. David J. Rhodes: Art. „Pfeiffer, Franz Anton“, in: 2MGG, Personenteil, Bd. 13. Kassel 2005, Sp. 461 f.

39  Franz Anton Pfeiffer an Wineberger, Ludwigslust, 15.12.1783. Fürstlich Oettingen- Wallersteinsches Archiv Schloss Harburg (FÖWAH), Dienerakten Wineberger, III.7.10c-1.

40 Wie Anm. 39.

41  Antonio Rosetti: „Bemerkung zu Errichtung einer Circhen Musik mit Zuziehung des Hof-Orchestre“. FÖWAH, Kultussachen Wallerstein, Chorregentenstelle, Pfarrkirchenmusik, VI.42.13-2.

42 In einem weiteren Bittgesuch nennt er in dem Zusammenhang ausdrücklich Rosetti und betont, dass er „etliche Täge nichts zu essen gehabt, und es bis hieher noch fortdauren würde, wenn nicht H: Rosetti für mich Bürge zu stehen die Güte gehabt hätte […]“; Wineberger an Fürst Kraft Ernst, [Wallerstein, ohne Datum]; FÖWAH, Dienerakten Wine- berger, III.7.10c-1.

43  Wineberger an Fürst Kraft Ernst, [Wallerstein, ohne Datum]; FÖWAH, Dienerakten Wineberger, III.7.10c-1.

44 FÖWAH, Dienerakten Wineberger, III.7.10c-1.

45  Wineberger an Fürst Kraft Ernst, [Wallerstein, ohne Datum]. FÖWAH, Dienerakten Wineberger, III.7.10c-1.

46 Archiv des Bistums Augsburg, Matrikelverfilmung Pfarrei Wallerstein (ArchBA, MV Wall.), Sterbefälle 1750-1805, 1.1.1790 (Original-Matrikel im Pfarramt Wallerstein): „49. Jahre alt“.

47 ArchBA, MV Wall., Hochzeiten 1750-1816, 9.1.1787.

48 Wineberger an Fürst Kraft Ernst, Wallerstein, 4.1.1787. FÖWAH, Dienerakten Wineberger, III.7.10c-1.

49 Nachricht von der Fürstl. Wallersteinischen Hofkapelle, in: Musikalische Real-Zeitung 1 (1788), Heft 7 (13. August 1788), S. 53.

50   Gertraut Haberkamp: Thematischer Katalog der Musikhandschriften der Fürstlich Oettingen-Wallerstein‘schen Bibliothek Schloß Harburg. München 1976, S. 206-210 (Kata- loge bayerischer Musiksammlungen, Bd. 3).

51 Vgl. Günther Grünsteudel: „Der seelige Capell Meister Rosetti war mein Schwager“: Georg Feldmayr – neue Beiträge zur Biographie, in: Rosetti-Forum 5 (2004), S. 37-53.

52 Dass Wineberger und Feldmayr mit dem Grafen Franz Ludwig Kammermusik machten, belegt ein Brief seines jüngsten Bruders, des Grafen Philipp Karl (1759-1826), der nach dem Tod Franz Ludwigs einiges aus dessen Nachlass als sein Eigentum reklamierte: „Entre le Musiques du pauvre Défunt, il y a plusieurs Quartetti qui m’appartiennent, entre autres les nouveaux Quartetti de Kozeluch et plusieurs autres, que Vineberger, et Feld- mayer qui ont fait Musique avec, savent […]“; Graf Philipp Karl an den Bruder, Graf Friedrich Karl Alexander, Wetzlar, 19.11.1791. FÖWAH, Personalakt Friedrich Karl Alexander Nr. 22, VIII.13.9a-1; zit. nach Volker von Volckamer: Geschichte des Musikalienbestandes, in: Haberkamp (wie Anm. 50), S. XV (Anm. 34).

53  Vgl. Volker von Volckamer: „Als hohen Gönner und Kenner der Ton Kunst ...“. Fürst Kraft Ernst zu Oettingen-Wallerstein zum 200. Todestag, in: Rosetti-Forum 4 (2003), S. 34; Detlev Schwennicke: Europäische Stammtafeln. Neue Folge, Bd. 16. Berlin 1995, Tafel 106.

54 Hans-Günter Otterberg / Ingolf Sellack: Art. „Salomon, Johann Peter“, in: 2MGG, Perso- nenteil, Bd. 14. Kassel 2005, Sp. 871-875.

55  Zu Haydns Wallerstein-Aufenthalt vgl. insbesondere Anton Diemand: Josef Haydn und der Wallersteiner Hof, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg 45 (1920/22), S. 1-40; Howard Chandler Robbins Landon: Haydn – Chronicle and Works, Bd. 2. Haydn at Eszterháza 1766-1790. London 1978, S. 754 f.

56 Die Sinfonien Hob. I:90-I:92 befinden sich als Stimmenabschriften mit handschriftlichen Einzeichnungen des Komponisten noch heute in der ehemaligen Hofbibliothek; Haberkamp (wie Anm. 50), S. 100.

57 Trummer (wie Anm. 2), S. 267. Dominicus Mettenleiter (1822-1868), der seine Jugendjahre bei seinem Onkel, dem Wallersteiner Chorregenten Johann Michael Mettenleiter (1791-1859), verbrachte, kolportiert eine inhaltlich fast gleichlautende Bemerkung Haydns über die Wallersteiner Kapelle; vgl. ders.: Die fürstlich Oettingen Wallerstein’sche Hofkapelle, in: Orlando di Lasso. Registratur für die Geschichte der Musik in Bayern, Heft 1. Brixen 1868, S. 33.

58 Trummer (wie Anm. 2), S. 370.

59 Vgl. Dieter Kirsch: Art. „Meißner, Philipp“, in: 2MGG, Personenteil, Bd. 11. Kassel 2004, Sp. 1468 f.

60  In den späten 1780er Jahren hatte Meißner auf Wunsch des Fürsten Kraft Ernst die Ausbildung des später in Wien erfolgreichen Wallersteiner Klarinettisten Franz Joseph Beer (1770-1819) übernommen. Eine ausführliche Arbeit des Verfassers über den Wallerstei- ner Beer, der bisher zumeist mit seinem berühmteren Namensvetter Johann Joseph Beer (1744-1812) verwechselt wurde, erscheint in Rohrblatt 22 (2007), Heft 3.

61 Meißner an Graf Franz Ludwig, Würzburg, 6.3.1791. FÖWAH, Dienerakten Wineberger, III.7.10c-1.

62  Gemeint ist der fürstbischöfliche Leibarzt Karl Kaspar von Siebold (1736-1807); vgl. ADB 34 (1892), S. 186.

63 Fürstin Wilhelmine Friederike (1764-1817), mit der Fürst Kraft Ernst seit 1789 in zweiter Ehe verheiratet war; vgl. Schwennicke (wie Anm. 53).

64 Meißner an Ignaz von Beecke, Würzburg, 18.3.1791. FÖWAH, Dienerakten Wineberger, III.7.10c-1; zu Beecke vgl. Petra Ludwig / Ernst Fritz Schmid: Art. „Beecke, Ignaz von“, in: 2MGG, Personenteil, Bd. 2. Kassel 1999, Sp. 654-659.

65  Musikalische Monathsschrift 1792, 2. Stück (August), S. 56: „Joseph Reicha […] ist nun schon über ein Jahr für die Kunst fast ganz unbrauchbar. Nur mit Hülfe der Krücken kann er in seinem Zimmer mühsam auf- und abgehen.“

66 Vgl. Christoph Hust: Art. „Ries, Franz“, in: 2MGG, Personenteil, Bd. 14. Kassel 2005, Sp. 84 f.

67 Vgl. Ingeborg Wesser / Ulrich Siegele: Art. „Junker, Carl Ludwig“, in: 2MGG, Personenteil, Bd. 9. Kassel 2003, Sp. 1310 f.

68 Carl Ludwig Junker: Noch etwas vom Kurköllnischen Orchester, in: Musikalische Korrespondenz der Teutschen Filharmonischen Gesellschaft 1791, S. 375 f. Zu den näheren Umständen des Mergentheim-Aufenthalts von Maximilian Franz und seiner Kapelle, der damals auch Beethoven angehörte, vgl. Alexander Wheelock Thayer: Ludwig van Beethovens Leben. 3. Aufl., Bd. 1. Leipzig 1917, S. 262-274.

69 Der Tenor Lodovico Simonetti (1753 - nach 1830) war ab 1791 bis zu deren Auflösung im Jahr 1794 Mitglied der Bonner Hofmusik; zu seiner Biographie vgl. Schilling (wie Anm.3), Bd. 6, S. 379, und Eigel Kruttge: Geschichte der Burgsteinfurter Hofkapelle 1750-1817. Köln 1973, S. 102-105 (Beiträge zur rheinischen Musikgeschichte, Bd. 101).

70 Bernhard Romberg (1767-1841) war 1790-1793 Cellist im Bonner Orchester; vgl. Rebekka Sandmeier:Art. „Romberg, Bernhard“, in: 2MGG, Personenteil, Bd. 14. Kassel 2005, Sp. 335-338.

71 Vgl. Christoph Kammertöns: Art. „Pleyel, Ignaz Josef“, in: 2MGG, Personenteil, Bd. 13. Kassel 2005, Sp. 689-692.

72 Vgl. Christoph Henzel: Art. „Righini, Vincenzo“, in: 2MGG, Personenteil, Bd. 14. Kassel 2005, Sp. 108-111.

73 Der Vetter von Bernhard Romberg, Andreas Romberg (1767-1821), war 1790-1793 Geiger im Bonner Orchester; vgl. Klaus G. Werner: Art. „Romberg, Andreas“, in: 2MGG, Personenteil, Bd. 14. Kassel 2005, Sp. 332-335, 337 f.


III.

Aus Winebergers Wallersteiner Zeit sind insgesamt neun Sinfonien, zwei Cellokonzerte (wohl nach 1797 bei Schott in Mainz gedruckt 74), ein Oboenkonzert, drei Klarinettenkonzerte und je ein Doppelkonzert für zwei Klarinetten und zwei Hörner sowie 22 Harmoniemusiken erhalten, von denen manche mit bis zu vier Hörnern und Trompeten sehr groß besetzt sind 75. Hinzu kommen eine Reihe von Kammermusiken, darunter ein viersätziges Quintett für Fagott, Streichtrio und Klavier und diverse Divertimenti für Fagott und Klavier; von den mehr als 20 Streichquartetten, die Wineberger für das gemeinsame Musizieren in Wallerstein schrieb 76, sind 16 erhalten, drei davon wurden im Jahr 1800 bei André in Offen- bach gedruckt 77. Von seinen Streichtrios, den Quartetten in der ebenso ungewöhnlichen wie aparten Besetzung mit je zwei Violinen und Violoncelli 78 und den insgesamt 13 Sonaten für zwei Violoncelli, die er wohl für Graf Franz Ludwig und sich selbst komponierte 79, fehlt dagegen jede Spur.

An Musik für Soli, Chor und Orchester besitzen wir aus jener Zeit ein Ave Maria, drei Messen, ein Requiem, eine Kantate zur Hochzeit (1796) des Fürsten Karl Joseph zu Hohen- lohe-Bartenstein (1766-1838) mit Henriette Herzogin von Württemberg 80 (1767-1817) und sein wohl bedeutendstes geistliches Werk, das dem Fürsten Kraft Ernst zu Oettingen- Wallerstein gewidmete, gut anderthalbstündige Passionsoratorium für vier Solostimmen, vierstimmigen gemischten Chor und Orchester Der Sieg des Lichts, komponiert im Jahr 1794 81. Den Text dieses „musikalischen Dramas in drei Abtheilungen für die heiligen Täge des Leidens, Sterbens und Auferstehung Jesu Christi“ lieferte der aus einer alten protestantischen Nördlinger Familie stammende Daniel Eberhard Beyschlag (1759-1835), der in Leipzig Theologie und Philosophie studiert hatte und seit 1789 der Nördlinger Lateinschule als Rektor vorstand 82.

Gattungsgeschichtlich steht das Werk in der Tradition des deutschen Oratoriums 83, wie es sich ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter dem Einfluss der literarischen Strömung der Empfindsamkeit etabliert hatte. Die dramatische Erzählform des barocken Oratoriums ist einem lyrisch-besinnlichen Text gewichen, in dem die Vertrautheit des Hörers mit den biblischen Ereignissen vorausgesetzt und das Geschehen nicht mehr im Einzelnen nacherzählt wird; statt dessen stellt das Libretto die Empfindungen der handelnden Personen in den Vordergrund. Auch werden den Solostimmen nicht mehr konsequent bestimmten Personen der Handlung konkret zugeordnet. Die Dramatik der biblischen Ereignisse erscheint auf diese Weise gemildert, der Hörer soll in eine unmittelbare gefühlsmäßige Beziehung zum Text versetzt werden. Den ‚Prototyp’ eines solchen Librettos schuf Karl Wilhelm Ramler (1725-1798) mit seiner Dichtung Der Tod Jesu (1754). Dieser Text wurde verschiedentlich in Musik gesetzt; am bekanntesten wurde er in der Vertonung von Karl Heinrich Graun (1703/04-1759), dessen Werk 1755 in Berlin seine erste Aufführung erlebte. In der Folgezeit entstanden zahlreiche empfindsame deutsche Oratorien, in denen termino- logisch die Unterschiede zwischen Oratorium und Kantate (wie Grauns Tod Jesu im Original bezeichnet ist) vielfach aufgehoben sind. Alle diese Werke, unter ihnen Rosettis Der Sterbende Jesus und Jesus in Gethsemane, Beeckes Die Auferstehung Jesu und Wine- bergers Sieg des Lichts, sind mehr oder weniger von Ramlers Text beeinflusst, weisen aber auch musikalische Gemeinsamkeiten auf: Zu nennen sind die Tendenz zu homophonen oder polyphon aufgelockerten Chören und die oft mehr lyrisch-liedhaft als virtuos gestalte- ten Arien. Eher selten werden traditionelle Kirchenlieder eingeschoben. Vorherrschend ist eine galante, empfindsame musikalische Sprache, in der Tonmalerei nur sparsam verwendet wird.

In seiner Widmung an Fürst Kraft Ernst erklärt der Komponist, in welcher Absicht er sein Werk geschaffen hat: „Euerer Durchlaucht dem wärmsten ReligionsVerehrer weihe ich ehrfurchtsvoll dieses Oratorium – meinen ersten Versuch von dem Umfang – glüklich und belohnt genug, wenn es fromme Empfindungen in dem Herze des Christen erreget und die frohe Hofnung seines ewigen Glükes jenseits des Grabes bestärkt. Für diesen Zwek habe ich – aber auch mit dem sehnlichsten Wunsch gearbeitet, daß Euere Durch- laucht es zu meiner Aufmunterung zu hören geruhen mögten.“ Ähnlich wie Rosettis Sterbender Jesus dürfte auch Der Sieg des Lichts nicht vorrangig für einen konkreten Anlass, sondern vor allem in dem Bestreben entstanden sein, dem Fürsten die kompositori- schen Fähigkeiten seines Schöpfers auch auf dem Gebiet eines großen geistlichen Werkes vor Augen zu führen und damit seine Position bei Hofe zu stärken.

Im Gegensatz zu Rosettis und Beeckes Passionsoratorien scheint Winebergers Kompo- sition aber nicht das Glück einer Aufführung beschieden gewesen zu sein. Hierfür spricht, dass – anders als im Falle Rosettis und Beeckes – weder Aufführungsmaterial erhalten ist noch ein Textheft gedruckt wurde und dass die autographe Partitur – die einzige Quelle, die wir besitzen – das sorgsam in Leinen gebundene und mit Goldschnitt versehene Widmungsexemplar für den Fürsten ist, das auch keinerlei Gebrauchsspuren aufweist. All dies zusammen genommen lässt eigentlich keinen anderen Schluss zu, als dass Der Sieg des Lichts wohl nie aufgeführt worden ist. Über die Gründe hierfür kann man nur speku- lieren. An den musikalischen Qualitäten kann es eigentlich nicht gelegen haben. Wineberger erweist sich als überlegt und formal wie inhaltlich überzeugend disponierender Komponist, der für die Solisten, den Chor und das Orchester, ohne sie über die Maßen zu fordern, doch stets wirkungsvoll zu schreiben vermag. Sein Oratorium steht hierin Rosettis Gat- tungsbeispielen kaum nach.

74 Hans-Christian Müller: Bernhard Schott, Hofmusikstecher in Mainz. Die Frühgeschichte seines Musikverlages bis 1797 mit einem Verzeichnis der Verlagswerke 1779-1797. Mainz 1977 (Beiträge zur mittelrheinischen Musikgeschichte, Bd. 16) nennt sie nicht.

75 Grünsteudel (wie Anm. 3; 2007) enthält ein Kurzverzeichnis der erhaltenen Werke.

76 Little (wie Anm. 3), S. 92.

77  Britta Constapel: Der Musikverlag Johann André in Offenbach am Main. Studien zur Verlagstätigkeit von Johann Anton André und Verzeichnis der Musikalien von 1800 bis 1840. Tutzing 1998, S. 127 (Würzburger musikhistorische Beiträge, Bd. 21).

78 Vgl. Verzeichnis der versteigerten Musikalien des Geheimrats Franz Michael von Schaden, erstellt im Oktober 1791; FÖWAH, Dienerakten Franz Michael von Schaden, III.6.23a; zit. nach Volckamer (wie Anm. 52), S. XXX.

79 Vgl. Nachlassinventar des Grafen Franz Ludwig; FÖWAH, Personalakt Franz Ludwig Nr.13, VIII.13.8a; zit. nach Volckamer (wie Anm. 52), S. XXXI.

80 Schwennicke (wie Anm. 53), Bd. 17. Frankfurt 1998, Tafel 17. Im Auftrag des Fürsten Karl Joseph schrieb Wineberger eine Reihe von Werken. Etliches davon liegt heute in der Bayerischen Staatsbibliothek München.

81 Universitätsbibliothek Augsburg, 02/HR III 4 ½ 4° 52. – Ein Klavierauszug erschien 2004 in der Edition Birgit Kurz, Würzburg.

82 1801 folgte er dem Ruf als Rektor des Gymnasiums bei St. Anna und Stadtbibliothekar in Augsburg. Zu seiner Biographie vgl. Friedrich Seßler: Daniel Eberhard Beyschlag, in: Wulf- Dietrich Kavasch et al. (Hrsg.): Lebensbilder aus dem Ries. Nördlingen 2002, S. 273-293.

83 Vgl. Martin Geck: Art. „Oratorium“, in: 2MGG, Sachteil, Bd. 7. Kassel 1997, Sp. 765 f.; Günther Massenkeil: Oratorium und Passion. Laaber 1998, S. 220-223, 249-275 (Handbuch der musikalischen Gattungen, Bd. 10/1).


 IV.

Zu Beginn der 1790er Jahre heiratete Wineberger noch ein zweites Mal, und zwar Philippina Koeber (Keber), die Schwester des möglicherweise aus der Gegend von Ansbach stammenden Oboisten Johann Ludwig Koeber, der seit etwa 1790 der Wallersteiner Hofkapelle angehörte 84. Diese zweite Trauung ist im Wallersteiner Kirchenbuch nicht dokumentiert; es ist also davon auszugehen, dass sie an einem anderen Ort stattfand, vielleicht sogar in Ansbach. Bei den insgesamt drei Kindstaufen des Ehepaars Wineberger, die zwischen dem 16. August 1792 und dem 20. November 1795 in der Wallersteiner Pfarrmatrikel registriert sind, 85 firmieren in zwei Fällen neben dem Schwager Koeber angesehene Persönlichkeiten der Ansbacher Hofmusik als Paten, darunter der Cellist und Musikdirektor Johann Jäger 86 (1748 - nach 1826).

Im Lauf der 1790er Jahre wurde Winebergers finanzielle Lage immer prekärer. Trotz einer nochmaligen Aufbesserung um 100 Gulden Ende Februar 1792 87 wurde es für ihn und seine Familie immer schwieriger zu überleben. Der Grund für die dramatische Zuspitzung seiner Situation war, anders als bei so manchem seiner Wallersteiner Musikerkollegen in jener Zeit, wohl nicht in erster Linie Unvermögen im Umgang mit Geld, sondern vielmehr die allgemeine Teuerung, die durch die andauernden kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem revolutionären Frankreich und den übrigen europäischen Mächten bedingt war. Hinzu kamen die desolaten Finanzen des Fürstlichen Hauses, die dazu führten, dass die Hofkasse mit den Gehaltszahlungen immer wieder in Verzug geriet.

In seiner Not bat Wineberger im Herbst 1796 den Fürsten um Erlaubnis, mit seinem Schwager Koeber auf Konzertreisen gehen zu dürfen, um so zusätzliche Einkünfte zur Deckung seiner Schulden zu erzielen. Als sein Gesuch abgelehnt wurde, wandte er sich an Hofmusikintendant von Beecke 88:

Wohlgeborner Herr Major

Höchstzuverehrender H: Intendant

Nach dero an mich erlassene Worte ist mir meine unterthänigste Bitte rund abgeschlagen; wieder alles Vermuten. – Vielleicht bin ich der erste, den es trifft. Niemalen belästigte ich meinen Durchlauchtigsten Fürsten, obwolen geringer als viele andere Musiker stehe. Betteln lernt der Mann nicht, der fleißig arbeitet und ordentlich lebt, wird aber auch der Kanal verstopft, daß ich mir auswärts kein Geld verdienen darf, dann ists gefehlt. Schon lange war’s mein Trost, daß man mich auswärts schäzet, und war mir Ersaz für die schiefen Gesichter mit denen hier meinen Genie Kindern begegnet worden.

Seine Durchlaucht der Fürst sind doch gegen Jedermann so gnädig – erlaubten Witt und Beer zween Jahre nacheinander 6. und 9. monathliche Reise 89  zu machen – warum mir und meinen Schwager nicht auf etwelche Wochen? Ists Intrique neidender Höflinge? Oder sähe man mich lieber mit Lumpen und Schulden bedekt? Deutliche Beweise habe ich auch, daß man mir schon mist göntte, daß ich für S.D. den Prinzen Carl v. Bartenstein 90 arbeite. Aber alles bei Seite. [...] Nach dem hohen Willen meines gnädigsten Fürsten füge ich mich – murre nicht dagegen – kann und will nicht gegen den Strom fahren. Ich bin nach aller Überzeugung immer ein gehorsamer Diener geweßen.

Ihnen, verehrungswürdigster H: Intendant überlasse ich alles, der Baum fällt ja nicht auf einen Streich – Sie haben gewis keine Worte gespart unsern gnädigsten Fürsten zur Erlaubnis zu bereden; ihr edler Karakter und Liebe für die Untergebenen ist mir Bürge, daß Sie noch einmal und nachdrüklich Serenißimum sprechen werden. Noch ein ofenes wahres Bekänntniß:

Seit 6 Wochen arbeitete ich Tag und Nacht hindurch, brach mir viele Stunden des süßen Schlafes, nun habe ich meine Arbeit zum Zwekke vorhabender Reise geendet. Unter dieser sind auch Opera Stüke die ich habe komponiren müssen und unumgänglich nothwendig selbsten an Ort und Stelle bringen und dirigiren muß /: ich sündigte auf die Gnade meines Durchl. Fürsten, die jeder billig fordern kann :/ - Geräth nun diese Reise in Stekken, so ist meine Arbeit – mein Lohn – null. Ist wohl der Mann, der ein Feld besäet nicht würdig es auch einschneiden zu dürfen, oder soll er gedultig zusehen, wenn es Fremde thun - !

Betrachten Euer Wohlgeborn meine heutige mündliche Bitte und diese geschriebenen Worte etwas genauer und handeln nach Ihrem angebornen menschenfreundlichen Kar- rakter – ich getröste mich dann in nächster zu hoffender Antwort etwas beßernn, der ich mit schuldiger Hochachtung und Respect lebenslänglich geharre

Des wohlgebornen und höchstzuverehrenden Herrn Musik Intendanten Unterthänigst gehorsamster

Paul Wineberger“

 

Wineberger verließ den Wallersteiner Hof endgültig erst im Herbst 1798. Die Gründe hierfür waren aber anscheinend nicht nur finanzielle: „Unglückliche häusliche Verhältnisse, welche Wineberger immer nur leise und mit Seufzern berührte, und die das Zartgefühl gegen den edeln, duldenden und verzeihenden Freund hier zu erörtern verbietet, gaben ihm die erste Auffo[r]derung, nicht allein auf Wallerstein sein irdisches Wirken zu be- schränken. Unzufriedenheit mußte zuerst wieder den alten Gedanken in ihm beleben, die Welt zu sehen.“ 91  Frau und Kinder ließ er zurück und begab sich mit dem Schwager Koeber auf eine Konzertreise, die die beiden Musiker nach Norddeutschland führte 92. Am

23. Dezember 1798 war in den „Hannöverischen Anzeigen“ folgende Ankündigung zu lesen 93: „Die Kammermusiker des Fürsten von Wallerstein, Violoncellist Paul Winneberger, Direktor der fürstlichen Jagd- und Tafelmusik, sowie der Oboist Koerber [sic] tragen im Saal der Londonschenke ‚ausgesuchte Concerts‘ vor.“

 

84 Zu Koeber vgl. Piersol (wie Anm. 3), S. 433-436.

85 ArchBA, MV Wall., Taufen 1750-1826, 16.8.1792, 4.1.1794, 20.11.1795. Bei der Taufe von Winebergers einziger Tochter Friederica Philippina Paulina (16.8.1792) stand der Nördlinger Musikdirektor Christoph Friedrich Wilhelm Nopitsch (1758-1824) mit seiner Gemahlin als Pate zur Verfügung. Zu Nopitsch vgl. Friedhelm Brusniak / Franz Krautwurst: Art. „Nopitsch, Christoph Friedrich Wilhelm“, in: 2MGG, Personenteil, Bd. 12. Kassel 2004, Sp. 1174-1176.

86 Vgl. u. a. Ernst Ludwig Gerber: Historisch-biographisches Lexicon der Tonkünstler, 1. Th. Leipzig 1790, Sp. 683 f.; Carl Julius Adolph Hoffman: Die Tonkünstler Schlesiens. Breslau 1830, S. 226f.

87 FÖWAH, Dienerakten Wineberger, III.7.10c-1.

88 Wineberger an Ignaz von Beecke, [Wallerstein, wohl Herbst 1796]; FÖWAH, Dienerakten Wineberger, III.7.10c-1.

89 In den Jahren 1794 und 1796 unternahmen die Hofmusiker Franz Joseph Beer und Friedrich Witt (1770-1836) ausgedehnte Konzertreisen; von der zweiten Reise, die die beiden nach Wien führte, kehrten sie nicht mehr nach Wallerstein zurück; vgl. hierzu Günther Grünsteudel: Wallerstein – Wien – Würzburg. Friedrich Witt: Stationen seines Lebens und Wirkens, in: Rosetti-Forum 7 (2006), S. 27-44, hier S. 29-32.

90 Karl Joseph zu Hohenlohe-Bartenstein; vgl. auch Anm. 80.

91 Trummer (wie Anm. 2), S. 367.

92  Am 26.9. bat Koeber den Fürsten um die Erlaubnis, seinen „Schwager Wineberger, welcher dermals eine Reise nach dem nördlichen Deutschland unternimmt, auf sechs Monate begleiten zu dürfen“; FÖWAH, Dienerakten Koeber, III.5.6.3c-2.

93 Zit. nach Heinrich Sievers: Hannoversche Musikgeschichte, Bd. 1. Tutzing 1979, S. 321 f.


 V.

Wann Wineberger sich in Hamburg niederließ, ist nicht genau bekannt. Es muss aber im Lauf des Jahres 1799 gewesen sein. Trummer berichtet, dass er hier „von einer Krankheit befallen“ wurde und seither in der Stadt lebte 94. Am 7. Dezember 1799 trat er zusammen mit Koeber und anderen Künstlern im Französischen Theater auf. Über das Konzert berichtete der Hamburger Stadtkantor Christian Friedrich Gottlieb Schwencke 95 (1767-1822), Nachfolger Carl Philipp Emanuel Bachs in dieser Position und somit eine wichtige Größe im Hamburger Musikleben, in der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ 96: „Demoiselle Guenêt 97  [...] sang unter andern eine Arie von einem Herrn Winneberger, der sich auch an diesem Abende mit einem selbstkomponierten Violoncellkonzerte hören ließ. Dieser Herr Winneberger ist ein sehr guter Orchester- und Konzertspieler, auch besitzt er Kompositionskenntnisse, nur scheint es ihm an Geschmack und gehöriger Ausbildung zu fehlen. Herr Köber, ein Schwager von ihm, und Schüler des mit Recht berühmten, und leider gar zu früh verstorbenen Hoboisten le Brun 98, blies ein Hoboekonzert, gleichfalls von eigener Komposition, recht gut, und beschloß eine der Cadencen, um einen Beweis von der Dauer seines Athems zu geben, mit einem merkwürdigen Triller, der einige Minuten währte.“

 Schwenckes harsche Kritik an dem Komponisten Wineberger mag wie eine Bestätigung der schon zitierten „schiefen Gesichter“ erscheinen, mit denen man seine Kompositionen zum Teil in Wallerstein aufnahm 99. Und doch dürfte sich der Musikfreund, der heute Gelegenheit hat, seiner Musik zu begegnen, eher auf die Seite Trummers stellen, der Winebergers Kunst so beurteilt 100: „Als Componist war der Geschiedene unstreitig oft sehr geschickt in der Anlage, allemal gründlich in der Ausführung, aber oft ernster und strenger, als es der herrschende Modegeschmack verträgt. Ein fleißiges Studium der Harmonie hatte ihn in den Besitz der vorzüglicheren Kunstmittel gesetzt und vervielfältigte den Reichtum seiner eigenthümlichen Ideen, den er sehr geschickt zu vertheilen wußte. – Diese Ideen sind überall natürlich, nirgend, wie man es leider jetzt so oft findet, gesucht und pretiös. Seine Arbeiten sind nicht gerade genial zu nennen, aber zum Theil sehr originell. Er war auch keinesweges bei der ersten Zeit seiner Ausbildung, die in das dritte Viertel des vorigen Jahrhunderts fällt, stehen geblieben, sondern rüstig mit der Zeit fortgeschritten. Seine Behandlung des Pianoforte war nichts weniger, als alterthümlich, aber einfach, würdevoll, zwar schimmerlos, aber die rührende Sprache des wahren Gefühls. In seinen Compositionen weht ein gefälliger, melodiöser, im Ganzen heiterer Charakter. In seinen Adagio’s ist eine ungemeine, aber darum sehr behutsam auszudrückende Zartheit hervor- stechend.“

In den Jahren um 1800 erlebte das Hamburger Musikleben eine Blütezeit. Zahlreiche bedeutende Musiker hielten sich damals, wenn auch teilweise nur vorübergehend, in der Hansestadt auf, unter ihnen der Geiger Giovanni Giornovichi 101 (1747?-1804), die beiden Rombergs 102 und Jan Ladislav Dussek 103 (1760-1812). Der nur wenig jüngere böhmische Pianist und Komponist machte auf Wineberger großen Eindruck. Man pflegte freundschaft- lichen Kontakt und tauschte sich aus. Dusseks „Behandlung des Pianoforte, sowohl im Vortrag als Composition, haben Alle, besonders später in Winebergers Methode wieder- gefunden. Mehrere Instrumental-Compositionen Winebergers stammen aus dieser Periode. In ihnen lebte die Erinnerung an dieß künstlerische Freundschaftsband spät noch fort.“104

Im Orchester des Französischen Theaters, dem er vermutlich bis zu dessen Schließung im Jahr 1814 angehörte, fand Wineberger eine Anstellung als Cellist 105. Seinen Lebensunter- halt verdiente er sich aber wohl in erster Linie als Privatmusiklehrer. „Als Lehrer übte er eine unsagliche Geduld; die Gabe des Unterrichts schien ihm ganz anzugehören. Freilich war er, in der Weise der älteren Musiker, rauh, streng, und so unerbittlich gegen Andere, wie er es gegen sich war.“ 106 Einer seiner prominentesten Schüler war Siegfried Wilhelm Dehn (1799-1858), der sich später als Musiktheoretiker ein Namen machen und es bis zum Professor und Kustos der Musikabteilung der Königlichen Bibliothek in Berlin bringen sollte 107. Dessen Vater, ein Altonaer Bankier, hatte Wineberger für seine Kinder als „Musik- meister“ engagiert. Dabei kam es dem erfahrenen Lehrer, wie Ledebur berichtet, nicht in erster Linie darauf an, „seine Schüler zu Solospielern auszubilden, sondern einzig und allein, bei gründlichem Unterrichte auf verschiedenen Instrumenten, ihnen Geschmack an gediegener Musik beizubringen. Bald waren die 3 Geschwister im Stande Trios miteinander aufzuführen, wobei die Schwester Clavier, der Bruder Violine und unser Dehn das Cello spielte.“ 108

Speziell für den Klavierunterricht schrieb Wineberger zahlreiche Übungsstücke, die auf Anregung des Pianisten und Schwencke-Schülers Johann Heinrich Clasing 109 (1779-1829), mit dem er offenbar in engem Kontakt stand, auch im Druck herauskamen: fünf Hefte „Leichte und gefällige Uebungsstücke für Anfänger des Pianoforte“, vier Hefte „Vierhändige Sonatinen als Uebungsstücke für Anfänger des Pianoforte“, drei Hefte „Leichte und gefällige Sonatinen mit Violinbegleitung für Anfänger des Pianoforte, um sie an beglei- tende Instrumente zu gewöhnen“, „Sechs neue und leichte Sonatinen für das Piano-Forte zur Benutzung für Schüler, die noch keine Octave greifen können“ u. a. m. Im Januar 1823 erschien in der Leipziger „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ folgende Besprechung 110:

„Der [...] Verfasser [...] hat viele Jahre hindurch dem Unterricht der Jugend, die mit und ohne Talent oft um der Mode willen sich in der Musik übt, Nachdenken, Zeit, Kräfte und selbst Neigung gewidmet. Seine Methode ist bewährt zu nennen. Die angezeigten Uebungsstücke sind durch sie veranlasst, geprüft und vielfach wieder geändert worden. So haben sie einen Grad der Vollständigkeit und Nutzbarkeit erreicht, welchen ein unterrichteter verständiger Lehrer bald bey Anwendung derselben im Unterricht heraus- finden wird. Sie unterscheiden sich von sehr vielen ihres Gleichen nicht bloss durch eine genaue Kenntniss des Instrumentes, mechanisch und geistig, sondern durch eine sorgfältige stufenweise Fortschreitung von den ersten Anfangsgründen herauf, durch reinen, gefälligen und verständlichen Satz, und durch Mannichfaltigkeit.“

Ansonsten sind aus den Hamburger Jahren im Wesentlichen Lieder sowie etwas Klavier- und Kammermusik erhalten geblieben. Ein Klavierquartett in f-Moll und ein „in mehreren Abschriften zirkulirendes Quartett aus D moll“, die sich beide in Trummers Besitz befanden und nach dessen Worten zu den schönsten Kompositionen Winebergers überhaupt gehörten 111, sind nicht mehr nachweisbar. Nur ausnahmsweise scheint sich Wineberger noch mit größeren Formen beschäftigt zu haben. Am 2. Januar 1802 wurde seine verschollene Cantate zur Neujahrsfeyer 1802 an das biedere Hamburg uraufgeführt 112; von der einaktigen Oper Die Alpenhütte (1814) auf einen Text von August von Kotzebue hat sich die autographe Partitur erhalten 113; von der ebenfalls verschollenen Sieges-Feyer der Wiener Bürger am Jahrestage der Leipziger Schlacht, einer der Gelegenheitskompositionen, wie sie nach dem Abzug der Franzosen en vogue waren, wissen wir nur, dass sie am 22. März 1817 im Hamburger Stadttheater aufgeführt wurde 114. Laut Trummer bewahrte Wineberger zahlreiche Manuskripte eigener Werke („die Ausbeute eines vieljährigen, unermüdlichen Fleißes“) in seiner Wohnung auf. Nach seinem Tod wurde sein Nachlass „gerichtlich versiegelt“ 115. Über dessen Verbleib ist nichts bekannt 116.

In seinen letzten Lebensjahren verschlechterte sich Winebergers Gesundheitszustand zusehends. „Anfängliche unrichtige Behandlung und die kleine Eitelkeit des Verstorbenen, zur Versteckung des Mangels ein hölzernes Bein zu tragen, welches für seinen schwächlichen Körper zu schwer war und bei jeder Bewegung eine auf die Narbe nachtheilig wirkende Erschütterung und Reibung verursachte, trug viel zur Verschlimmerung des Uebels bei. Die letzten Jahre seines öden, freudeleeren Lebens brachte er fast nur auf seinem Krankenlager oder in seiner Stube zu 117. Nur selten gelang es noch seinen Freunden, ihn zu einem Quartett, worin er Violoncell spielte, zu vermögen. Nie hat ihn aber seine alte Laune und Heiterkeit, das Erbtheil wohlorganisirter und religiöser Gemüther, ganz verlassen.“ 118 Erst wenige Monate vor seinem Tod gelang es Freunden, ihn zu überreden, einen kompetenten Arzt zu konsultieren. Am 6. Januar 1821 wurde Paul Wineberger in das Freimaurer-Krankenhaus am Dammtorwall aufgenommen 119, wo er am 8. Februar starb 120.

 

94 Trummer (wie Anm. 2), S. 367. Für Winebergers Hamburger Jahre gibt es kaum archivarische Belege.

95  Vgl. Barbara Wiermann: Art. „Schwencke, Christian (Friedrich Gottlieb)“, in: 2MGG, Personenteil, Bd. 15. Kassel 2006, Sp. 438-440.

96 Allgemeine musikalische Zeitung (AmZ) 2 (1799/1800), Sp. 412 f.

97 Sittard (wie Anm. 28), S. 160: „[…] Demoiselle Guenêt, Sängerin an der französischen Oper, deren schöne, volle und biegsame Stimme gerühmt wird […]“.

98  Ludwig August Lebrun (1752-1790); vgl. Bärbel Pelker / Robert Münster, in: 2MGG, Personenteil, Bd. 10. Kassel 2003, Sp. 1399 f.

99 Wie Anm. 88.

100 Trummer (wie Anm. 2), S. 370 f.

101 Vgl. Vjera Kataliniæ, in: 2MGG, Personenteil, Bd. 7. Kassel 2002, Sp. 995-998; Sittard (wie Anm. 28), S. 118, 171.

102 Vgl. Anm. 70 und 73; vgl. auch Sittard (wie Anm. 28), S. 84, 118, 139 f.

103 Sittard (wie Anm. 28), S. 182: „Alsdann ging er […] nach London, wo er sich dermaßen in Schulden stürzte, daß er 1800 heimlich nach Hamburg entfloh. Hier lernte er eine hochgestellte Dame kennen, mit der er zwei Jahre lang in einem intimen Verhältnis auf einem Gute in der Nähe lebte.“ Zu seiner Biographie vgl. im Übrigen: Anselm Gerhard, in: 2MGG, Personenteil, Bd. 5. Kassel 2001, Sp. 1712-1716.

104 Trummer (wie Anm. 2), S. 369 f.

105 Trummer (wie Anm. 2), S. 367. Auch Gerber (wie Anm. 3) berichtet, dass Wineberger 1800 am diesem Theater engagiert war. Mit dem Ende der französischen Besatzung im Mai 1814 schloss auch das Französische Theater, das seit Dezember 1794 bestanden hatte, seine Pforten; zu seiner Geschichte vgl. Heinrich Harkensee: Beiträge zur Geschichte der Emigranten in Hamburg, I. Das französische Theater. Hamburg 1896 (Wissenschaftliche Beilage zum Jahresbericht des Johanneums in Hamburg 1896); Josef Sittard: Musik und Theater, in: Hamburg um die Jahrhundertwende 1800. Hamburg 1900, S. 82-88. Das Staats- archiv Hamburg verfügt – möglicherweise aufgrund des verheerenden Stadtbrands von 1842, bei dem sehr viele Dokumente vernichtet wurden – heute über keinerlei eigene Bestände zum Französischen Theater. Schilling (wie Anm. 3, S. 873) zufolge wechselte Wineberger nach Schließung des Französischen Theaters in das Orchester des Theaters am Gänsemarkt, dem sein ehemaliger Wallersteiner Kollege Georg Feldmayr als Geiger angehörte.

106 Trummer (wie Anm. 2), S. 371.

107 Vgl. Christoph Hust, Art. „Dehn, Siegfried Wilhelm“, in: 2MGG. Personenteil, Bd. 5. Kassel 2001, Sp. 694 f.

108 Carl von Ledebur: Tonkünstler-Lexicon Berlin’s. Berlin 1861, S. 106.

109 Vgl. Kurt Stephenson: Art. „Clasing, Johann Heinrich“, in: MGG, Bd. 15. Kassel 1973, Sp. 1504 f.; Mendel-Reißmann (wie Anm. 3, S. 378) bezeichnet ihn als Schüler Winebergers, was aber aufgrund seines Alters eher unwahrscheinlich ist.

110 AmZ 25 (1823), S. 62.

111 Trummer (wie Anm. 2), S. 370.

112  Staats- und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten,

16.12.1801; zit. nach Robert von Zahn: Musikpflege in Hamburg um 1800. Hamburg 1991, S. 76 (Beiträge zur Geschichte Hamburgs, Bd. 41).

113 Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, ND VII 434.

114 Zahn (wie Anm. 112).

115 Trummer (wie Anm. 2), S. 371.

116 Entsprechende Anfragen beim Staatsarchiv Hamburg und in der Staats- und Universi- tätsbibliothek Hamburg verliefen negativ.

117 Zumindest für die letzten Lebensjahre kennen wir Winebergers Hamburger Adresse, da er 1820 im Hamburger Adressbuch (Staatsarchiv Hamburg) nachweisbar ist. Der Eintrag lautet: „Wineberger, P. Musiklehrer, Mar.[ia] Magdal.[ener] Kirchhof no 76“.

118 Trummer (wie Anm. 2), S. 370.

119  Ebd. – Das Hamburger Freimauer-Krankenhaus wurde 1795 gegründet und war das erste private Krankenhaus der Stadt.

120 Der Eintrag im Leichenregister 1816-1821 (S. 290) der Gemeinde St. Petri (Staatsarchiv Hamburg) enthält den Vermerk: „seine von ihm seit langen Jahren getrennte Frau, soll noch leben, aber unbekannt wo.“


 

Zusammenfassung

Der in Mergentheim geborene Cellist und Komponist Paul Wineberger (1758-1821) studierte zunächst Theologie in Würzburg und Heidelberg, ehe er 1778 in Mannheim Lehrer am Seminarium musicum und Organist an der ehemaligen Jesuitenkirche wurde. Gleichzeitig erhielt er bei prominenten Mitgliedern der dortigen Hofkapelle wie Ignaz Holzbauer, Georg Joseph Vogler und Ignaz Fränzl Unterricht im Tonsatz und im Instrumentalspiel. 1780 trat er als Cellist in die Wallersteiner Hofkapelle ein, wo er nach 1785 zum Konzertmeister und „Direktor und Kompositeur der Fürstl. Jagd und Tafelmusik“ avancierte. Im Herbst 1798 verließ er den Wallersteiner Hof und ließ sich in Hamburg nieder. Dort fand er eine Anstellung als Cellist im Orchester des Französischen Theaters, dem er vermutlich bis zu dessen Schließung (1814) angehörte, und betätigte sich daneben als Privatmusiklehrer.

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