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Feldmayr, Georg - Feldmayr - der Komponist

 

Feldmayr – der Komponist

Über den ursprünglichen Umfang von Feldmayrs kompositorischem Œuvre kann man nur noch spekulieren. Etwa 90 Werke sind nach heutigem Kenntnisstand im Manuskript erhalten 87. Allein 76 davon entstammen der ehemaligen Fürstlich Oettingen-Wallersteinsche Hofbibliothek, die heute in der Universitätsbibliothek Augsburg aufbewahrt wird 88, und gehen in erster Linie auf die „Rückholaktion“ des Fürsten Kraft Ernst von 1802 zurück. Einzelne Manuskripte liegen darüber hinaus im Fürstlich Hohenlohe-Bar- tensteinschen Archiv, Schloss Bartenstein, in der Landesbibliothek Karlsruhe 89, im Stadtarchiv Konstanz, in der Fürst Thurn und Taxis Hofbibliothek in Regensburg 90 und in der Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin 91. Der einzige Feldmayr-Druck, das um 1800 erschienene Flötenkonzert in G-Dur, ist vollständig anscheinend nur im Archiv des Musikverlags André in Offenbach nachweisbar.

Die überwiegende Mehrzahl der erhaltenen Werke entstand in Feldmayrs Wallerstei- ner Zeit, also in den 20 Jahren zwischen 1780 und 1799. Im Zentrum stehen die Gattun- gen Kantate (22 bzw. 23 92  Werke), Konzertarie (18 Werke 93) und Harmoniemusik (22 Werke 94). Außerdem existieren zwei Sinfonien, die wahrscheinlich zu seinen frühen Kompositionen zu zählen sind, Solokonzerte für Flöte und Oboe, zwei Konzerte für zwei Hörner sowie zwei konzertante Sinfonien für Violine und Oboe bzw. Oboe und Fagott, eine Anzahl Kirchenmusiken (Miserere, Requiem, Te Deum, Lauretanische Litanei) und sogar ein Bühnenwerk: Sultan Wampun, oder die Wünsche, eine „Operette“ auf einen Text von August von Kotzebue (1761-1819) 95. Zu Feldmayrs ambitionier- testen Schöpfungen zählen vielleicht die Konzertarien – zehn von ihnen komponierte er auf Texte von Pietro Metastasio (1698-1782) – und die oft aus Anlass von Familienfesten des fürstlichen Hauses (Geburten, Hochzeiten, Geburts- und Namenstage etc.) entstandenen Kantaten 96. Das von den Vokalsolisten (vor allem Sopran und Tenor) hier wie dort geforderte technische Können ist bemerkenswert. Doch auch die farbig instrumentierten Harmoniemusiken unterschiedlicher Besetzung und die Solokonzerte offenbaren ein gerüttelt Maß an handwerklichem Können und musikalischem Gespür, ohne freilich die Meisterschaft des bewunderten Kollegen Rosetti letztlich zu erreichen.

Trotz der Tatsache, dass Feldmayr in Wallerstein zum Kammermusikkreis um Graf Franz Ludwig gehörte und sicherlich – wie der Kollege Wineberger – für das gemein- same Musizieren komponierte, findet sich unter den erhaltenen Werken nicht ein einzi- ges Stück dieses Genres. Die Musiksammlung des Wallersteiner Regierungspräsidenten Franz Michael von Schaden (1726-1790)97, die nach dessen Tod versteigert wurde, ent- hielt – dies geht aus einem Verzeichnis hervor, das aus Anlass der Versteigerung im Oktober 1791 erstellt wurde – von Feldmayr ein „Quartetto in G Dur. Violino I. II.

Viola e Violoncello“, „3 Trio a Due Violini & Basso“ und ein „Trio a Due Violini, Violoncello ô Alto Viola“. Diese Werke wurden damals von Hofrat von Belli zwar für das fürstliche Haus ersteigert 98, trotzdem fehlt von ihnen heute jede Spur.

87 Ein vor allem auf RISM basierendes Verzeichnis der erhaltenen Werke ist in Vorbereitung.

88 Haberkamp (Anm. 46), S. 58-70.

89 Früher Fürstlich Fürstenbergische Hofbibliothek Donaueschingen.

90 Gertraut Haberkamp: Die Musikhandschriften der Fürst-Thurn-und-Taxis-Hofbiblio- thek Regensburg. München 1981, S.64 (KBM, Bd. 6).

91 Kade (Anm. 72).

92 Nimmt man die 1791 auf den Tod des Grafen Franz Ludwig zu Oettingen-Wallerstein entstandene und „Oratorium“ überschriebene Komposition hinzu, die eigentlich eine Kantate ist.

93 Darunter auch ein Duett für Sopran, Tenor und Orchester.

94 Darunter auch eine Serenade für Streicher, große Bläserbesetzung und Schlagwerk.

95 In Ignaz von Beeckes Nachlass, der nach seinem Tod in alle Winde zerstreut wurde, befand sich eine weitere „Operette von Feldmeyer der Zauberschleir“; FÖWAH, Dienerakten Ignaz von Beecke, LO: III.5.7a; zit. nach Volckamer, KBM 3 (Anm. 52), S. XXXI.

96 Einzelne Kantaten entstanden auch auf äußere Anlässe, wie etwa den Tod König Ludwigs XVI. von Frankreich (1793) oder den Frieden von Campo Formio (1797).

97 Schaden war ein eminenter Musikkenner, der u. a. für Wielands „Teutschen Merkur“ schrieb. So stammt z. B. der im Dezember 1776 erschienene und mit den Initialen „S. Frhr. von S.“ [Schad Freiherr von Schaden] gezeichnete Beitrag „Etwas von der musi- kalischen Edukation“, in dem auch über die Wallersteiner Hofmusik berichtet wird (S.220), aus seiner Feder.

98 Verzeichnis der versteigerten Musikalien des Geheimrats Franz Michael von Schaden, erstellt im Oktober 1791; FÖWAH, Dienerakten Franz Michael von Schaden, LO: III.6.23a; zit. nach Volckamer, KBM 3 (Anm. 52), S. XXVI-XXX, hier S. XXVII.